Tristan und Isolde / Karlsruhe (26.6.2016)

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  • June 26, 2016

Wenn  an einem ersten “Tristan”-Akt das leidenschaftliche Vorspiel und der junge Seemann (Eleazar Rodriguez) noch das Beste ist, dann weiß man, dass es Zeit zu gehen ist. Vergleichsweise wacker schlagen sich noch die Herren: Seung-Gi Jung führt als Kurwenal weiterhin seinen kernigen Bariton ins Felde, präsentiert sich aber erneut rhythmisch unsicher. Ist es denn so schwer, sich aufs Bein zu schlagen und gleichzeitig beim Singen im Takt zu bleiben ? Erin Caves’ leichtgewichtiger, heller, nicht unschöner Tenor wäre bei einem weniger leidenschaftlichen Dirigat als Justin Brown weniger gefährdet, denn bereits gen Ende des Aktes merkt man, wie viel Kraft das Stuttgarter Ensemblemitglied investieren muss, um über den Graben zu kommen. Noch schwächer hingegen die B-Besetzung der Isolde. Rachel Nicholls besitzt einen höhensicheren, aber tremolierenden Sopran. Wärme, Anmut, Leidenschaft hört man zu keinem Zeitpunkt, dafür gelegentliche Vokalverfärbungen (“Röf” statt “Ruf”) und die merkwürdige Angewohnheit, Töne in der Mittellage nicht hinaus in den Zuschauerraum, sondern beinahe in den eigenen (Resonanz-)Körper hinein zu singen. Den Vogel schießt aber Katherine Tiers altjüngferlich scheppernde Brangäne ab – eigentlich eine Zumutung.

Man tut in der ersten Pause also das, was man tun muss und was meine Nebensitzerin schon vor Aktschluss machte: man geht. Und kommt nicht wieder.

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