La voix humaine / Karlsruhe (21.6.2016)

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  • June 22, 2016

Kann es einen umjubelten Theaterskandal geben ? Die Antwort lautet: ja, in Karlsruhe…..

Anstatt eines klassisch-sterilen Liederabends gab man der vielversprechenden Dilara Bastar die Möglichkeit, ihren Mezzo im Rahmen einer szenischen Aufführung von Francis Poulencs “La voix humaine” zu präsentieren. Zusätzlich gab es vor der Pause “Quatre poèmes” des Kosmopoliten Charles Martin Loeffler zu hören – hier mit zusätzlicher Viola (Christoph Klein) und der stummen Rolle des “Er” (Christopher Basile). (Haus-)Regisseurin Christine Hübner zeigt anfangs das Kennenlernen eines Paares – dass die Haltbarkeit der Beziehung endlich sein wird,  ist schon an den melancholischen Texten und den düsteren Klängen zu erahnen. Und so sehen wir die “Sie” dann nach der Pause vor einem an einen Lichtmasten angebrachten, öffentlichen Telefon, vor dem sie wartet, umherirrt, lauert. Sie handelt mit ihrem Verflossenen, beschwört, bezirzt, bedroht ihn und tötet sich am Ende.

Die Klavierfassung empfinde ich mittlerweile als geeigneter als die Orchesterfassung. Die Klänge wirken härter, unvermittelt und ehrlicher. Steven Moore am Flügel hat daran einen großen Anteil. Dilara Bastar geht den Abend auch ohne intellektuelle Attitüde einer Liedsängerin an – sie wirft sich mit Herzblut in diese Rolle und macht sie sich auf bemerkenswerte wie intensive Weise zu eigen. Da passt es auch, dass sie ihren warmen, dunklen Mezzosopran nicht zurücknimmt, sondern ihn ganz in den Sinne der Gesamtaufführung stellt. Französischlehrer könnten zurecht anmerken, dass da mancher Nasal nicht nasal war oder das Anfangs-“h” sehr hörbar war. Dies ist aber bei einem solch eindrücklichen Abend maximal eine Fußnote wert und schmälerte meinen Genuss keinen Deut. Kein Wunder, dass das in überschaubarer Menge erschienene Publikum langen, beinahe frenetischen Applaus spendete…..

Und der erwähnte Skandal ? Nun, der besteht zum einen darin, dass man so einen tollen Abend auf einen Spieltag der deutschen Nationalmannschaft ansetzt und zum anderen, dass es nach jetzigem Stand keine Wiederholung geben wird.

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