I Capuleti et i Montecchi / Karlsruhe (18.6.2016)

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  • June 19, 2016

“I Capuleti et i Montecchi” – das schien dem badischen Publikum doch zu exotisch zu sein, so dass man sich dazu entschloss, die Ergänzung “Romeo und Julia” anzufügen. Leider führte auch dieser Schachzug nicht zu einem annähernd vollen Haus – vielleicht gute fünfzig Prozent mag die Auslastung betragen haben. Dabei spielte nicht mal Deutschland…..Nun, wer kam, wurde nicht enttäuscht. Der junge Tilman Hecker hatte ein dreistöckiges Bühnenbild zu Verfügung, dessen Etagen identisch aussahen. Warum? Das weiß man bzw. ich nicht. Erst im zweiten Akt entstanden interessante Bilder, wie bei der Beerdigung Julias oder der finalen Konfrontation Romeo-Tebaldo, zuvor hatte die Inszenierung bestenfalls bebildernernden Charakter. Nun, vielleicht war man bzw. ich nach der verkorksten “Macbeth”-Premiere um jede erzwungene Umdeutung so froh, dass es mir fast egal war, dass die Szenerie eher uninspiriert war. Allerdings ist Bellinis Meisterwerk nur in musikalischer Hinsicht grandios, dass die Unterordnung des Szenischen ganz passend und somit zweckdienlich war. Das Orchester musste sich mit Daniele Squeo in der Ouvertüre noch auf ein Tempo einigen, musizierte dann aber mit viel Gespür für die melodienreiche Partitur. Besonderes Lob gehen an dieser Stelle noch an die Soloklarinette und das Solohorn, die ihre vertrackten großen Stellen tadellos meisterten.
Konstantin Gornys rabenschwarzer Bass ist für den Capellio geradezu prädestiniert, er stattet den Familienvater mit einer gehörigen Portion Autorität aus. Besonders gefreut habe ich mich über den Tebaldo von Eleazar Rodriguez. Der junge Mexikaner hat sich mittlerweile eine kräftige Mittellage erarbeitet, die den Kontrast zu den immer noch sicheren Hochtönen umso imposanter gestaltet. Wirklich ein Gewinn für diese Haus, möge er Karlsruhe noch lange erhalten bleiben ! Bei Kristina Staneks Romeo irritierte zuerst die Kostümierung – mit weißem Kurzhaarschnitt und Kinnbart sieht sie ungewohnt männlich aus – ganz im Gegensatz zu den meisten Hosenrollen, bei denen die Männlichkeit eher oberflächlich angedeutet wird. Vielleicht hat es daher auch ein wenig gedauert, bis ich die Stimme mit dem optischen Eindruck verbinden konnte, aber als des dann so weit war, konnte man einen warmen Mezzo mit sicherer Höhe (eine kleine Ausnahme mal abgesehen) vernehmen. Noch beeindruckender gestaltete sich Uliana Alexyuks Giulietta. Es besteht bei derartigen Partien öfters die Gefahr, einen zu leichten Sopran zu hören, so dass die ganzen Linien und Hochtöne etwas unnötig Artifizielles haben und nach Kanarienvogel klingen. Glücklicherweise ist dem hier nicht so – dieser Sopran hat ausreichend Körper und Volumen und badet förmlich in den “meldie lunghe”. Ein wahrer Traum.

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