Vec Makropulos / München (24.5.2016)

  • 1
  • May 25, 2016

So leer habe ich die Bayerische Staatsoper noch nie erlebt. Gut, die meisten Intendanten würden sich über die Auslastung immer noch freuen, aber die Kombination Janacek/Wiederaufnahme/Werktag/weder Kaufmann noch Petrenko war bestimmt nicht verkaufsfördernd. Vorsichtig ausgedrückt. Die Zuschauer, die erschienen waren, konnten jedoch eine packende Aufführung der “Sache Makropulos” erleben. Diese Geschichte ist im wesentlichen eine weibliche Variante des Dorian Gray-Motivs – im Original von Karel Capek jedoch weit humoristischer als die Oper von Janacek. Insofern tat es gut, dass die Regie von Arpad Schilling die vielen kuriosen und grotesken Begebenheiten wie das Wiedersehen der 337-jährigen Emilia Marty mit ihrem mittlerweile altersdementen Verehrer Hauk-Senkdorf (Reiner Goldberg zeichnet ihn liebevoll) nicht unter den Tisch fallen ließ. Erst die Inszenierung des Schlussbildes erhöhte die Frage um die Sinnhaftigkeit ewigen Lebens zu stark ins Melodramatische, blieb zuvor aber angenehm direkt.

Bei den männlichen Sängern überzeugen beide als um einen Nachlass prozessierende Konkurrenten Jaroslav Prus (John Lundgren mit bulliger Statur und Stimme) und Albert Gregor (Pavel Cernoch mit feschem Auftritt und schlankem Tenor). Kevin Conners (Vitek), Ales Briscein (Janek) und Gustav Belacek (Dr. Kolenaty) erliegen alle auf ihre Weise der Faszination von Emila Marty, ebenso wie Rachel Wilsons Krita. Nach Nadja Michael sang nun Angela Denoke eine Partie, die für sie wie maßgeschneidert scheint. Lässt man außer Acht, dass in der Schlussszene ein paar hohe Töne schlecht gestützt oder auch nur kurz angebunden waren, haben wir hier eine Rolleninterpretation, die spürbar von vielen anderen abweicht. Diese Marty ist schon zu Beginn sehr nahbar und so gar nicht kalt. Man spürt von der ersten Szene an, wie arg sie zwischen dem Wunsch nach Lebensverlängerung und Lebensüberdruss schwankt. Ihr immer noch lyrischer Sopran kann dabei je nach bedarf Kälte und Wärme ausstrahlen. Ganz großes Kino!

Das Dirigat von Tomas Hanus ist schon allein deshalb bemerkenswert, da es keine Länge aufkommen lässt. Bei so mancher “Elektra”, die von der Ausgangslage her ja weit eingängiger ist, habe ich häufiger auf die Uhr geschielt. Angesichts des dominierenden Konversationsstils ohne große “Nummern” ist dies kein Leichtes und verdient Lob, auch wenn so manche Stelle in der Partitur etwas feiner, genauer ausgelotet hätte werden können.

Share Button
(Visited 75 times, 1 visits today)