Svata Ludmila / Manchester (21.5.2016)

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  • May 22, 2016

Zum Ende der diesjährigen Saison hatte das Hallé Orchester aus Manchester einen mehrwöchigen Dvorak-Zyklus angesetzt. “Aus der neuen Welt” oder das Cello-Konzert sind längst zu Klassikern im Konzertbetrieb geworden – das Oratorium über die tschechische Nationalheilige nimmt hingegen immer noch eine Randstellung ein. Schön, dass Mark Elder dieses mehr patriotisch als christlich anmutende Werk ganz am Ende des Zyklus als eine Art Höhepunkt brachte. Ich hatte Dvorak (Sinfonie 7 und 8) schon einmal unter Elders Leitung gehört und war mit dementsprechend gehobenen Erwartungen nach Manchester gereist. Enttäuscht wurde ich nicht – allein das in überschaubarer Menge erschienene Publikum war etwas betrüblich.

Als besonders genial empfinde ich die Partitur weiterhin nicht, aber nach diesem Abend könnte ich mir diese “Ludmilla” durchaus in einer szenischen Umsetzung vorstellen. Schwer wäre natürlich allein die Positionierung des Chores, denn dieser betrug vorsichtig geschätzt über 130 Sängerinnen und Sänger. Dass der Klang derart astrein war, lag bestimmt nicht ausschließlich an der grandiosen Akustik der Bridgewater Hall. Gesungen wurde  übrigens nicht auf Tschechisch, sondern auf Englisch. Inwieweit die Übersetzung von David Pountney gelungen war, mögen Slawisten beurteilen, für den Melodienfluss hatte sie keine negative Auswirkungen. Und ich wage zu behaupten, dass die durch und durch englische Besetzung froh war, sich auf die Gesangslinien und nicht die Fallstricke dieser komplexen Sprache zu konzentrieren.

Den Bauern gab Stuart Jackson mit feinem Tenor, Christine Rice die Bedienstete Ludmillas (Svatava)  mit pastosem Mezzo. James Creswell lieh dem Missionar Ivan seinen imposanten Bass und machte diese Partie zur männlichen Hauptrolle. Das lag auch daran, dass der – sehr platonische – Geliebete Ludmillas, Borivojy, von Nicky Spence eher zurückhaltend interpretiert wurde. Da hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle doch mehr Bruststimme als Falsett gewünscht, so schön der Tenor auch klang. Emma Bells kraftvoller, aber im Kern doch lyrischer Sopran erwies sich für die Titelpartie als goldrichtig.

Und Sir Mark Elder ? Nun, der zeigte wieder einmal, wie man einem englischen Orchester einen Klang verleiht, den man fast als “international” bezeichnen möchte. Dunkel-deutsch klingen die Streicher und das Blech, letzteres zusätzlich mit der Präzision, die man eigentlich nur bei US-amerikanischen Klangkörpern vernimmt. Hell und klar strömen hingegen die Holzbläser. Eine wahre Wonne.

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