Boris Godunow / Wiesbaden (16.5.2016)

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  • May 16, 2016

Nein, das mit “Boris” und mir, das wird in diesem Leben nichts mehr. Keine Ahnung, woran es letztlich liegt. An den vielen Charakteren, die anscheinend wahllos im Lauf des Abends ausgespuckt und dann wieder vergessen werden, kaum Fallhöhe entwickeln oder einfach nur unglaubwürdig, unmotiviert und flach erscheinen – und das will bei einer Oper ja was heißen! Auch im dritten Anlauf habe ich trotz Vorbereitung keinen wirklichen Zugang zu diesem Werk erhalten und lasse es ab jetzt besser auch.

Zugegeben, die öde Regie von Christian Sedelmayer hat bestimmt ihr Übriges getan, mich bis zur ersten Pause fast zu Tode zu langweilen. Russland-Klischees (Pelz, Wodka, Gold) am laufenden Bande, meinetwegen, aber wie wäre es zur Abwechslung mal mit Personenführung ? Definitiv nicht zum Erfolg beigetragen hat das Dirigat von Noch-GMD Zsolt Hamar. Macht der Mann das zum ersten Mal ? Ich frage deshalb so, weil ich durchaus gute Dirigate von ihm und auch diesem Stück gehört habe. Aber all das Unheil Verkündende im Glockengebimmel oder den Streichern, es ist hier einfach nur laut. Und generell zu langsam. Und zu Beginn  auch nicht sonderlich im Takt. Im zweiten Teil, dem hinzugefügten Polen-Akt ändert sich das zum Besseren, aber wirklich Tempo kommt nicht aus dem Graben.

Da es sich hier um eine Aufführung der Maifestspiele handelte, konnte man gleich zwei hochkarätige Gäste verpflichten. Einer von ihnen, Monica Bohinec, ehemaliges Mannheimer und nunmehr Wiener Ensemblemitglied, trumpft mit ihrem pastosen Mezzo fulminant auf. Im Zusammenspiel mit der neuen Wiesbadener Allzweckwaffe Richard Furman  (Dimitrij) sind die musikalisch besten Momente zu verzeichnen. Furman besitzt einen klaren, hellen, gut fokussierten Tenor, der ihn in meinen Ohren für Strauss prädestiniert. (Ob der Siegmund nächstes Jahr hingegen eine gute Wahl ist? Abwarten.) Young Doo Park beeindruckt mit profunden Bass (Pimen), Alexander Fedins Shuiski bleibt hingegen blass. Thomas de Vries hat mit dem Rangoni ein vom Publikum sehr wohlwollend aufgenommenes und zurecht beklatschtes Comeback an sein ehemaliges Stammhaus zu verzeichnen. Etwas unschlüssig lässt  mich Matti Salminen in der Titelpartie zurück. Klar, der riesige Finne kennt die Partie aus dem Effeff, dennoch hat der Zahn der Zeit an seinem Bass genagt, so dass seine Interpretation nicht mehr imposant, aber gleichwohl intensiv ist. Diese Intensität wird in erster Linie über die Textgestaltung, weniger den Klang erzielt. Der große Jubel für ihn war gleichwohl berechtigt und nachvollziehbar.

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