Veremonda / Schwetzingen (4.5.2016)

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  • May 5, 2016

Wer verstehen will, wie die Oper ihre Anfänge nahm, der kann dies momentan noch in Schwetzingen (und später am ko-produzierenden Staatstheater Mainz) anhanf Franceso Cavallis “Veremonda” tun. Die frühbarocke, kleinteilige Musik entbehrt noch all der funkelnden, extrovertierten Shownummern im da capo-Stil, der den Spätbarock dann achtzig Jahre später auszeichnen wird. Was wir stattdessen haben, ist wahrhaftig ein dramma per musica, ein mithilfe Musik erzähltes Dramas. Ein Ensemblestück, in welchem der Parlandoton dominiert und die Geschichte stetig vorangetrieben wird, und in dem niemand, nicht einmal Netta Or in der Titelpartie, herausragt. Der in der Zeit der Reconquista angesiedelte Plot hat einen ungewöhnlich realistischen Hintergrund, auch wenn es nicht ganz ohne Amazonen geht. Amelie Niemeyer setzt das Ganze optisch ansprechend und dramaturgisch plausibel um – und trotzdem hat mich der Abend nicht wirklich vom Hocker gehauen. Aus “wissenschaftlicher” Perspektive spannend, aus subjektiver Sicht zu langatmig. Das hat am wenigsten mit dem farbenfroh  aufspielenden Concerto Köln unter der Leitung von Gabriel Garrido zu tun, sondern dürfte eher der Tatsache geschuldet sein, dass die Pause erst nach 110 Minuten einsetzt – das sind fast götterdämmerliche Ausmaße, allerdings ohne das überlebensgroße Wagner-Brimborium. Der Applaus im weiß Gott  nicht vollen Auditorium war dennoch überaus wohlwollend und verdient für das an keiner Stelle schwache Ensemble. Vielleicht sollten die Schwetzinger Festspiele es Heidelberg nachmachen. Die lassen im ansehnlichen Rokokotheater nämlich einmal im Jahr spätbarocke Opern spielen. Wäre ja mal eine Option….

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