Tristan und Isolde / Kaiserslautern (30.4.2016)

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  • May 1, 2016

“Tristan” in Kaiserslautern. Das beißt sich schon im Klang, ähnlich wie foie gras und Gelsenkirchen. Ein “Tristan” in Bayreuth, in Berlin, München, logisch. Aber Kaiserslautern ? Nun, für ein Haus dieser Größe hat sich das Pfalztheater wieder einmal sehr beachtlich geschlagen. Leider trübt die Regie von  Kerstin Maria Pöhler den Gesamteindruck ein wenig. Man zeigt hier “Tristan” weder als Werk über die Liebe, das Sterben oder als metaphysischen Diskurs, sondern als erotische Obsession.Ich weiß nicht, ob diese Sichtweise dieses eigentlich unfassbare Werk unnötig verkleinert, geradezu banalisiert – aber die ganz praktische Umsetzung auf der Bühne tut es in jedem Fall. Dabei sind die Bühnenbilder eigentlich schön anzuschauen, auch wenn das kontinuierlich fließende Wasser, das sukzessive die Bühne flutet, dann und wann ablenkt. Nein, vieles was man sieht ist eher peinlich – angefangen von der sich selbst intensiv streichelnden Isolde und dem sie filmenden Tristan im Vorspiel, die angedeuteten Fetisch- und SM-Praktiken im ersten und zweiten Akt bis hin zur lebensgroß-unbekleideten Isolde-Puppe, die Tristan im Fieberwahn zerreißt. Am Schluss schneidet sich dieser dann ganz diesseitig die Kehle durch. Nun denn.

 Aus dem Ensemble waren Daniel Böhm (Melot), Daniel Kim mit elegant geführtem Tenor (Seemann/Hirte) und Wieland Satter (Kurwenal) besetzt. Satter kann einen kraftvollen, in der Höhe angenehm zitternden Bariton sein Eigen nennen und macht seine Sache auch sonst gut. Der Marke vom ehemaligen Wiesbadener Ensemble (Bernd Hofmann) ist hingegen zu grobschlächtig und hadert immer wieder mit der Intonation. Kurios, aber keineswegs schlecht die Besetzung der Brangäne mit der Sopranistin Janice Dixon. Deren dunkles Timbre setzt sie somit von der Isolde (Yamina Maamar) ab. Ich habe eine Weile gebraucht, um mit Yamaar warm zu werden. aber ab dem zweiten Akt konnte ich dann die Vorzüge dieser immer noch jugendlichen Stimme ohne falsches Pathos ausreichend genießen. Klar, es wäre schön, wenn sie die dynamischen Feinheiten der Partitur etwas mehr ausreizen könnte und die Höhe nicht ganz so zittrig wäre. Aber für ein Rollendebüt ist dies Mäkeln auf hohem Niveau. Wenn ich die Wahl zwischen  einer Herlitzius, Theorin oder Watson einerseits und Yamaar andererseits hätte – ich wüsste, wen ich lieber hörte. Gänzlich unbekannt war mir der Name Neal Cooper – und ich muss sagen: Respekt. Und zwar allein schon aufgrund der hervorragenden Aussprache, von der so mancher US-amerikanische  Tristan (Smith, Gould) sich eine Scheibe abschneiden sollte. Auch hier ist das Timbre Geschmacksfrage, der etwas greinende Tonfall erinnert ein wenig an Simon O’Neill. Woran Cooper allerdings noch arbeiten sollte, ist das Halten bzw. Stützen längerer Töne – die laufen nämlich Gefahr, ein wenig zu verrutschen. Ansonsten ist aber auch der Mut zum Piano hervorzuheben. Selten hat man einen Tristan gehört, der einzelne Phrasen sogar falsettiert, was der Partie eine ungewohnte Verletzbarkeit gibt.

Uwe Sandner leitete das Orchester mit Umsicht, dieses spielt solide. Klangmagie wird nicht wirklich erzeugt und phasenweise durch Lautstärke überdeckt. Die irren Streicherfiguren kurz vor dem Aufeindertreffen der beiden Titelfiguren im zweiten Akt sind zum Beispiel ohne Hitze. Nichtsdestotrotz eine gute Leistung, denn dafür zeigen sich Englischhorn und Trompete im dritten Akt in Bestform.

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