Der fliegende Holländer / Heidelberg (24.4.2016)

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  • April 25, 2016

Nach dem ziemlich missglückten “Holländer” in Mainz folgte der keineswegs überragende, aber grundsolide “Holländer” in Heidelberg. Auch hier verengt die Regie (Lydia Steier) den ganzen Weltschmerz, den Überdruss, die Lebensmüdigkeit des Holländers auf einen Aspekt – hier jedoch nicht auf Kapitalismuskritik wie in Mainz, sondern Kritik am Militarismus. So spielt die Handlung auch durchgängig in einer US-amerikanischen Militärakademie.

Kundige Wagnerianer dürften bereits hier den Braten riechen – es ist schlichtweg ein Abklatsch der legendären “Lohengrin”-Inszenierung Peter Konwitschnys, allerdings nicht einmal halb so gelungen. Nun, in diesem Fall ist aber gut kopiert immer noch besser als selbst und schlecht erfunden. Und somit kann man immerhin im zweiten Akt viel Augenzwinkern erleben, wenn die ganzen Soldatinnen, die phallusartigen Granaten auf Hochglanz polieren und auf größeren Geschossen reiten – Stanley Kubricks Doctor Strangelove lässt grüßen. Auch das Duett zwischen Holländer und Senta wirkt hier voll überzeugend. Im ersten Akt gab es allerdings zu viele Diskrepanzen zwischen Szene und Text, aber auch hier wird die Spannung aufrecht erhalten. Im dritten Akt gibt es dann, nach dem Suizid Sentas per Pistolenschuss, sogar die Erlösung des Holländers und seiner Mannschaft zu erleben, die entseelt zu Boden sinken. Wer hätte das gedacht…..

Carolyn Frank gab eine skurrile Mary, den von seinen Mitkadetten gemobbten Steuermann sang Namwohn Huh mit viel Schmelz. Pedro Velazquez Diaz merkte man an, viel Erfahrung im italienischen Repertoire gesammelt zu haben, was der etwas undankbaren Rolle des Erik sicher gut tat. Der Grippevirus hatte dieser Produktion bereits in der Premiere böse mitgespielt – und auch gestern gab es Indispositionen (Holländer) und Einspringer (Daland). Letzteren gab Marek Gasztecki mit imposantem Bass wie aber auch ziemlich wabernder Stimmgebung. Ein paar der Textdreher und Versprecher dürften sicher dem spontanen Einsatz geschuldet sein. James Homann begann in der Titelpartie unerwartet (und wunderschön) leise, hatte aber den ganzen Nachmittag über Probleme, die aber gut durch eine intensive Textbehandlung zu kaschieren verstand. Wirklich toll hingegen Johanni van Oostrum als Senta, die den jugendlich-radikalen Ton Sentas perfekt trifft und auch sonst mit den absurd hohen Anfangstönen ihrer Arie so gar keine Probleme zu haben schien. Bravissima !

Ebenfalls sehr gute Leistungen zeigte der bestens präparierte Chor sowie ein nahezu fehlerfreies Orchester unter der Leitung von Elias Grandy. Zwar irritieren die teilweise abrupten Wechsel der Tempi, ermöglichen aber somit auch den erfahrenen Hörern die Entdeckung neuer Aspekte.

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