Il trittico / Frankfurt (9.4.2016)

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  • April 10, 2016

Was ist der gemeinsame Nenner für die drei so unterschiedlichen Einakters des “Trittico” ? Claus Guth findet ihn im Umgang des Todes und lässt neben den Akteuren zahlreiche Verstorbene – das dominante Weiß derer Kostüme sowie des Bühnenbildes erinnert immer wieder an den “Tod in Venedig” – auf einem riesigen Schiff auf zwei Ebenen mit riesiger Drehbühne aufmarschieren. Das Erstaunliche für mich war dabei, wie gut das klappt, sei es beim Feierabendumtrunk der Arbeiter im Unterdeck (“Il tabarro”), dem Schiffsgottesdienst (“Suor Angelica”) oder der Luxuskabine (“Gianni Schicchi”).

Indendant Loebe hatte sich vor ein paar Tagen weit aus dem Fenster gelehnt und ungewohnt deutliche Breitseiten auf Jonas Kaufmann und Anja Harteros abgefeuert. Da liegt es natürlich nahe, ein besonderes Augenmerk auf die vokalen Leistungen des Abends zu werfen. Ich weiß weiß nicht, wie hoch die Gagen der Gäste und Ensemblemitglieder sind, aber nach dem gestrigen Abend wäre es Herrn Loebe doch zu raten, in Zukunft etwas vorsichtiger aufzutreten. Stimmlich verhalten begann jedenfalls “Il tabarro” – Željko Lučić, langjähriges Mitglied es Frankfurter Ensembles klang “wattig” und wirkte als Michele seltsam apathisch. Eifersucht war da kaum zu spüren. Vincent Wolfsteiner (Luigi) mobilisierte hörbar alle Ressourcen, aber auch hier blieb sein “Hai ben ragione” auf solidem Stadttheaterniveau. Auch Elza van den Heevers Giorgetta fehlte die erforderliche Durchschlagskraft – gemeinsam mit Wolfensteiner ist ihr gemeinsame Paris-Erzählung dennoch bewegend. Ungewohnter Höhepunkt des ersten Teils war dann auch Claudia Mahnkes (Frugola) Erzählung über ihren Kater.

Im zweiten Teil ist van den Heever in der Titelpartie um einiges präsenter und auch darstellerisch sehr bewegend, die lyrische Partie liegt ihr bedeutend besser in der Kehle. Die stehenden Ovationen des Publikums waren – nicht zuletzt für das verinnerlichte “Senza mamma” – hochgradig verdient. (Vielleicht mag Herr Loebe sie jetzt aber nicht mehr, weil sie zu lange im Applaus badete ? Fragen über Fragen.) Auch hier überrascht allerdings jemand anderes, in diesem Fall Suzanne Hendrix als Fürstin. Mit einem herrlich dunklem Mezzo ausgestattet gibt sie dieser Rolle eine ungewohnt menschliche Ausstrahlung, die in ihrer dramaturgischen Fallhöhe fast etwas an die Küsterin aus Janacecks “Jenufa” erinnert.

Zum Schluss dann noch ein erfrischend dezenter “Gianni Schicchi”, der extreme Übertreibung und Anbiederung ans Publikum meidet. Schön, dass es auch ohne Mario Barth-Qualitäten geht. Wie ausgewechselt nun Željko Lučić als gewitzter, umtriebiger Erbschleicher und großen Fähigkeiten der Stimmverstellung. Etwas blass Arthur Espiritu als Rinuccio, solide die Lauretta von Maria Bochmanova.

Ein zweiter gemeinsamer Nenner des Abends war das vielschichtige Dirigat von Jakub Hrůša. Die jeweiligen Vorspiele, insbesondere zum “Tabarro” begannen wunderbar melancholisch, die Aktenden besaßen wiederum ordentlich Schmackes.

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