Don Giovanni / Ulm (26.3.2016)

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  • March 27, 2016

Das Theater Ulm hat seit kurzem die gedruckte Vorschau für die neue Spielzeit im Foyer ausliegen. Im “Kleingedruckten” liest man, dass die Eintrittspreise wieder einmal erhöht werden. Unter 22 Euro ist ab jetzt kein Einlass mehr in die Oper – und nach dem mäßig begeisternden “Don Giovanni” gestern Abend frage ich mich, warum, oder besser: wofür, man in Ulm eigentlich mehr als in den Staatstheatern Karlsruhe, Stuttgart und München bezahlen muss. Gut, gestern war Fußball, aber eben auch keine Abo-Vorstellung – und prompt war das Auditorium nicht einmal zur Hälfte gefüllt. Zu hören bekam man ein Dirigat, in dem Joongbae Lee die Dramatik des dramma giocosa überbetont. Bleischwer klingt die erste halbe Stunde – aber vielleicht lag dem Orchester ja einfach auch nur die Premiere vom “Lohengrin” im Magen. In jedem Falle war die Ouvertüre mehr musikalische Selbstfindungsphase als Appetizer. Das besserte sich im Laufe des Abends (mit Ausnahme des Blechs), aber “gelungen” hört sich anders an.

Matthias Kaiser lässt den ersten Akt in einem schön anzuschauenden und für einen zweiten “Parsifal”-Akt recyclebaren Lustgarten spielen. Den zweiten Akt verortet er dann auf einer Großbaustelle mit riesiger Baggerschaufel. Nun ja. Nichts gegen Gärten und Baustellen, aber einen, irgendeinen Bezug zum Bühnengeschehen sollte es doch geben. Beide Szenarien ergeben keinen so wirklichen Sinn, da die konkreten Situationen nicht wirklich greifbar werden und die Charaktere folglich relativ unmotiviert geführt werden. Und so ist Don Lee weder als Masetto besonders poltrig noch angsteinflößend als Komtur, JungYuon Kim fehlt als Zerlina das vokale Augenzwinkern. Der Don Ottavio von Thorsten Sigurdsson ist immerhin rollendeckend blaß und eher schwach auf der Brust. Edith Lorans (Donna Anna) und Maria Rosendorfsky (Donna Elvira) hätten vom Stimmtyp her eigentlich die Rollen tauschen müssen – sie klingen jeweils zu schneidig beziehungsweise zu brav für ihre Rollen der (eventuell) vergewaltigten Tochter aus hohem Haus beziehungsweise der Gift und Galle speienden, sitzengelassenen Braut. Tomasz Kaluzny (Leporello) und Kwang-Keun Lee (Don Giovanni) liegt Mozart hörbar besser in der Kehle als Wagner – aber auch hier bleiben im Szenischen zu viele Wünsche offen. Leporello ist ja eigentlich ein käufliches Arschloch, das wir trotzdem irgendwie sympathisch finden. Hier nehmen wir ihn einfach nur zur Kenntnis. Und angesichts Lees phasenweise unglücklicher Kostümierung ist eigentlich von Anfang an klar, warum dieser Giovanni keine Frau (mehr) abbekommt.

Vielleicht wäre diese Besprechung weniger harsch ausgefallen, hätte ich am Donnerstag nicht erleben können, wozu dieses Theater fähig sein kann. Da fällt derart biedere Hausmannskost im direkten Vergleich noch deutlicher ab. Einen besseren “Giovanni” bekommt man jedenfalls auch woanders. Und billiger.

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