Idomeneo / Strasbourg (16.3.2016)

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  • March 17, 2016

Die gestrige Premiere des “Idomeneo” eröffnete interessante Perspektiven auf Mozarts erstes Meisterwerk. In Strasbourg versteht man sich ja darauf, das tänzerische Element der Musik stimmig in Szene zu setzen und szenisch überzeugende Lösungen aufzubieten. Wo man häufig bleierne Ideenlosigkeit vorfindet, so kommt auch bei spätem Aufführungsbeginn (und somit auch spätem Aufführungsende) keine Langeweile auf.

Dazu benötigt Regisseur Christophe Gayral eigentlich nur ein paar verschiebbare Wände, eine gute Lichtregie, eine strenge Optik, in der Blau und Schwarz dominieren und natürlich Sängerdarsteller, die ihre Partien gekonnt umsetzen. Fragezeichen gibt es keine – nur am Ende war mir nicht so ganz klar, warum sich das Bühnengeschehen in eine Art Beachparty verwandelt. Egal. In den knapp drei Stunden zuvor gab es jedenfalls anregendes Musiktheater zu hören, allen voran aus dem Graben.Sergio Alapont hätte jedenfalls mehr Applaus verdient gehabt, denn das war alles nicht nur besten geprobt, sondern auch eine Interpretation, die nach historischer Informiertheit klang statt historischen Klang durch exzessives Gebaren zu forcieren.
Bestens präparierte Chöre ergänzen hier ein überzeugend gecastetes Quartett. Quartett deshalb, da Arbace hier keine Arie zu singen hatte, lediglich Stichwortgeber war. Ungewohnt begann für mich Judith van Wanroij als Ilia – fast nach einer Elettra klang das zu Beginn. Später verliert sich der harte Klang, in ihren “Zeffiretti lusinghieri” hört man dann, wie die Liebe zu Idamante sie auch stimmlich verändert hat. Eine raffinierte Herangehensweise an eine Rolle, die eigentlich zu oft nur “soft” klingt. Gleich gilt für Agneta Eichenholz als deren Rivalin. Auch sie findet durchaus weiche, sentimentale Töne. Dass ihr bei “D’Oreste, d’Aiace” eine wenig der nötige Furor fehlte, war schade, aber letztlich irgendwie konsequent – hier geht einer Verzweifelten schlicht und ergreifend die Luft aus. Auf eine ganz andere Weise überzeugend. Der (Tenor-)Idamante von Juan Francisco Gatell könnte vom Durchsetzungsvermögen und schneidigen Auftreten fast schon als der Herr Papa durchgehen. Sein “Il padre adorato” berührt und verstört zugleich. Und Maximilian Schmitt in der Titelpartie ? Dem ehemalige Mannheimer (mit leicht deutschem Italienisch) gelingt mit seinem “Fuor del mar” die Quadratur des Kreises, indem er weder an Kraft noch an Koloraturen spart. Da kündigt sich definitiv ein Florestan, ein Erik, vielleicht ja sogar ein Lohengrin an.

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