Entführung aus dem Serail / Karlsruhe (3.3.2016)

  • 0
  • March 4, 2016

Nach den überaus erfolgreichen Händel-Festspielen gab es gestern in Karlsruhe noch für mich eine Art Ausklang mit der “Entführung”. Die Inszenierung von Yekta Kara war wahrscheinlich schon 2003 altbacken, aber der Esprit der Mozart’schen Kompositionskunst lässt auch gestrengere Zuschauer gnädig drüber hinweg blicken. „Der Zusammenprall der Kulturen, der Kontrast von Orient und Okzident – das ist es, was Yekta Kara … interessiert“ schrieb die BNN anlässlich der Premiere – leider sieht man davon wenig. Der Gastdirigent (Name leider nicht vorliegend) führte das Orchester schmissig und mit Umsicht – für eine schnöden Repertoireaufführung unter der Woche, die von penetrant hustenden Senioren musikalisch untermalt wurde, eine sehr gute Leistung.
Eleazar Rodriguez besitzt einen vorbildlich geführten Mozart-Tenor, bleibt als Belmonte aber ein wenig blass. Richtig klasse (auch wenn die Kostümierung bescheuert war) hingegen Kai Kluge (Pedrillo) mit überraschend kräftigem Tenor aus dem Opernstudio. Klasse! Ebenfalls klasse, wenn man von der Textbehandlung absieht, Uliana Alexyuk als Blonde. Eine Blode, die man sich übrigens auch als Konstanze vorstellen können, und deren Höhensicherheit und warme Mittellage große Lust auf ihre Giulietta macht. Eher zweischneidig hingegen Ina Schlingensiepen als Konstanze. In ihrer Auftrittarie irritiert die säuerlich-spitze Tonproduktion und das hörbare “Abarbeiten” der Koloraturen. In ihrem „Traurigkeit ward mir zum Lose“ kann sie die Vorzüge ihrer Stimme eher entfalten und durch Legato-Kultur einnehmen. Bei der anschließenden “Marten”-Arie gibt es dann erneut grellere Töne, die jedoch gut zur intensiven Interpretation passen. Einziger Gast war Friedemann Rölig als polternder Osmin, der letzlich immer gefährlich war. Zu diesem Eindruck trug sicher auch das beeindruckende Stimmvolumen bei. Etwas irritierend war jedoch die Angewohnheit, die Silbe “-en” ungwöhnlich zu dehnen – so wurde aus “Laff(e)n” zum Beispiel ein “Laffe(h)n”. Ansonsten aber gerne wiederkommen !

Share Button
(Visited 82 times, 1 visits today)