Teseo / Karlsruhe (27.2.2016)

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  • February 27, 2016

“Das würde auch an der MET Furore machen” wirbt das Badische Staatstheater auf seiner Homepage für die Wiederaufnahme des “Teseo”. Ich fürchte fast, dass dem so ist, denn wer die MET bereits besucht hat, wird wissen, dass  dort sicher nicht das Epizentrum künstlerischer Kreativität und Innovation ist. Eher schon die Produktionsstätte des Bombastes und des ästhetischen Nichts.
Die Inszenierung von Daniel Pfluger ist handzahm und ohne Überraschung. Viel Rampensingen. Goldener Glitzerregen am Schluss. Jo, und das war es dann auch. Michael Form und seine Deutschen Händel-Solisten passen insofern gut zu der Inszenierung als dass die mit gediegen-gepflegtem Klang jenseits des heute vorherrschenden ruppig-kratzenden Sounds barocker Orchester aufspielen.

Musikalisch wurde da doch – und glücklicherweise – mehr geboten. Larissa Wäspy und Terry Wey geben als Clzia und Arcana ein in jeder Hinsicht gut harmonierendes Paar, beinahe in Buffo-Manier. Flavio Ferri-Benedetti als Egeo  kann gemeinsam mit Roberta Ivernizzi als Medea das vielleicht ironischste Liebesduett aller Händelopern singen – beide besingen nämlich die gegenseitige Abneigung und ihren Willen, die Beziehung nun zu beenden. Ivernizzi darf dann vor der Pause mit ihrem “Sibilando, ululando” Gift und Galle speien.  Der umjubelte Valer Sabadus darf in der Titelpartie erst ungewohnt spät, genau genommen nach einer Stunde, die Bühne betreten und sein ganzes Können aufbieten. Das An- und Abschwellen sanfter Töne gelingt ihm mit einer bewundernswerter Leichtigkeit, die an Gruberovas Glanzzeiten erinnert. Für meinen Geschmack klingt sein Counter zu identisch mit den beiden anderen Stimmfachkollegen und zu weich für die Rolle des Kriegers. Sicher eine Geschmacksfrage, aber mich hat da Franco Fagioli in Stuttgart weit mehr überzeugt. Der eigentliche Star des Abends ist jedoch Yetzabel Arias Fernandez als Agilea. Mit bestechender Atemkontrolle und einem dunkel timbrierten Sopran gebührt der Kubanerin die Krone des Abends.

 

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