La Juive / Mannheim (21.2.2016)

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  • February 22, 2016

Auch im regulären Repertoire, sechs Wochen nach der umjubelten Premiere, sind in Peter Konwitschnys Inszenierung zahlreiche Stärken und sehr wenige Schwächen zu erkennen. Das beinahe ins Operettenhafte abfallende Geschehen im ersten Teil des dritten Aktes mag zum Beispiel weiterhin etwas zu viel des Guten sein – aber hier ist mir beim erneuten Zusehen aufgefallen, welch’ tolle Funktion diese Handschuhe haben.

Beim Entkleiden wirken diese fast wie Reinigungshandschuhe, beinahe lächerlich. Je mehr ein Mensch seine äußerlichen Hüllen ablegt, desto alberner wirkt das Festhalten an religiösen Dogmen. Letzten Endes sind wir alle gleich nackt, verletzlich und schutzbedürftig.

Zum Sängerischen: Sung Ha hat als Kardinal noch mehr Probleme mit der Tiefe als bei der Premiere. Die kurzfristig eingesprungene Astrid Kessler hat an Profil seit der Premiere noch weiter dazugewonnen. Ihre stimmliche und darstellerische Kraft rührt. Vera-Lotte Böckers Eudoxie hat etwas mehr Schärfen, trifft den Ton der etwas schnapsdrosseligen Prinzessin aber nicht weniger gelungen als die Premierenbesetzung. Randall Bills besitzt als wankelmütiger Fürst Leopold einen leichteren, weniger kräftigen Tenor als Juhan Tralla. Allerdings sitzt bei Bills die Enttäuschung über das Streichen seiner Arie im ersten Akt tiefer, hat man bei ihm deutlich weniger Zweifel, dass er der hohen Partitur nicht gewachsen wäre. Roy Cornelius Smith singt den Eleazar mit deutlich pauschalerem Tonfall als die Premierenbesetzung. Vielleicht überrascht deshalb seine große Arie im vierten Akt umso mehr, wo er in dynamischer Hinsicht zwischen bewegenden Piani und eruptiven Forte die ganze Palette sängerischen Könnens abruft. Darstellerisch wirkt Smith weniger sympathisch – durchaus rollendeckend.

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