Rinaldo / Karlsruhe (12.2.2016)

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  • February 12, 2016

Einen gelungeneren Auftakt zu den diesjährigen Händel-Festspielen hätte sich das Badische Staatstheater eigentlich nicht wünschen können. Im ausverkauften Haus gab man Auszüge aus “Rinaldo”, ergänzt durch so humorvolle wie angenehm knapp gehaltene Zwischenkommentare der Krimiautorin Donna Leon.Unter der Leitung des – sagen wir mal: exzentrisch auftretenden Stefano Montanari spielte das Spezialistenensemble “Il Pomo d’Oro” präzise und einfühlsam auf. Für viele der Musiker gab es zusätzlich die Möglichkeit, sich in zahlreichen Soli bemerkbar zu machen – allen voran die Piccoloflöte, das Cembalo und natürlich die gleich vierfach besetzten Trompeten.
Gerade einmal drei Gäste servierten zu den instrumentalen Zwischenstücken dreizehn Arien sowie zwei Duette aus Händels Erstlingswerk für das Londoner Publikum. Insofern lagen die einzelnen Auftritte deutlich enger beieinander, was jedoch keinem Probleme bereitete. Julia Lezhnevas farbarmes, beinahe weißes Timbre korrespondiert gut zum keuschen Profil ihres Charakters (Almirena). Besonders apart gelang ihr das “Augeletti, che cantate” im Zusammenspiel mit den bereits erwähnten Flöten. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so gebannt verfolgte das Publikum der verinnerlichten Darbietung der jungen Russin. Das „Lascia ch‘io pianga“ war besonders ornamentiert, allerdings auch ein wenig zu kräftig vorgetragen. Als Armida zog Karina Gauvin alle Register. Im freizügigen Kleid präsentiert sie eine Zauberin, welche die gesamte Palette menschlicher Gefühle glaubwürdig darbot. Mit ihren “Furie terribili” gelang ihr ein besonders starker Einstieg. Ihr Sopran klingt voluminös, muss bei den Koloraturen auch hörbar zurückgenommen werden, was dem gelungenen Eindruck jedoch keinen Abbruch tut. Ein lang ersehntes Wiedersehen gab es für die treuen Karlsruher mit “ihrem” Franco Fagioli, der in der Fächerstadt schon vor acht (?) Jahren als Giulio Cesare debütierte. Wie soll man einen Sänger mit Worten wertschätzen, der durch seinen Gesang dem Hörer eine neue Welt eröffnet. Die einzige Darbietung eines Counterntenors, die diesem “Or la tromba” mit den waghalsig-wahnwitzigen Koloraturkaskaden nahekommt, ist…Franco Fagiolis Interpretation des Jahres 2014 aus Wien. Heuer legt der Argentinier erneut eine Schippe drauf und lässt den Zuschauer ungläubig staunend und ob seiner Kunstfertigkeit demutsvoll das Theater verlassend zurück.

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