Dante / München (31.1.2016)

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  • February 1, 2016

“Dante als Oper? Nie gehört.” So oder ähnlich lässt sich die Reaktion vieler Opernbekannter zusammenfassen, als ich ihnen vom anstehenden Münchner Sonntagskonzert erzählt habe. Es spricht für die Qualität dieser ambitionierten Konzertreihe, dass trotz zeitgleich stattfindender “South Pole”-Premiere an der Staatsoper das Prinzregententheater beinahe ausverkauft war.

Leider, muss man sagen, ist nicht jede Wiederauferstehung per se ein Gewinn (Stichwort: Zombies) und man möchte dem Leiter des Münchner Rundfunkorchesters, Ulf Schirmer, beinahe wie Herodes zurufen “Ich verbiete ihm, die Toten zu erwecken.” Dieses Werk aus der Feder Benjamin  Godards stammt aus dem Jahr 1890, hinkt aber seiner Zeit hoffnungslos hinterher- weder dramaturgisch noch musiksprachlich überzeugt es wirklich. Vieles klingt sehr schematisch-altbekannt, die eigentlich altbewährte Handlung in Akten 1,2, und 4 (Tenor liebt Sopran, der jedoch unglücklich an Bariton vergeben ist) wirkt  hier altbacken. Verdi konnte das weitaus emotionaler und bezwingender aufs Notenpapier bringen. Interessant hätte vor allem die Höllenfahrt Dantes im dritten Akt werden können, aber bereits beim ersten Spontanvergleich mit “höllisch-abgründigen” Szenarien anderer Opern wirkt dieses musikalische Inferno eher bombastisch-laut als psychologisch. Wäre man böse, müsste man fast Wagners Diktum von der “Wirkung ohne Ursache” anführen. Die Weber’sche Wolfsschlucht, das Venus-Bacchanal im “Tannhäuser”, sie überragen Godards kompositorische Überlegungen qualitativ um Welten.

Und trotzdem hat der Besuch nicht wirklich gereut. Daran hat natürlich das sehr idiomatische Dirigat seinen Anteil, dicht gefolgt vom präsenten und mit Leidenschaft singenden Chor des Bayerischen Rundfunks. Auch in vokaler Hinsicht bietet dieses Werk übrigens wenig Aufregendes – Jean-François Lapointe als Siméone Bardi, Rachel Frenkel als Gemma, Edgaras Montvidas in der Titelrolle und Véronique Gens als das Objekt der Begierde (Béatrice) machen ihre Sache wirklich ohne Fehl und Tadel.

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