Katja Kabanowa / Wiesbaden (16.1.2016)

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  • January 17, 2016

Einer meiner wenigen Neujahresvorsätzen bestand darin, nicht wegen jeder Oper weite Strecken auf mich zu nehmen. Konnte ich also guten Herzens dem Besuch des Mainzer “Rigoletto” am Freitag noch standhalten, warf ich bereits gestern den Vorsatz mit der keineswegs falschen Entschuldigung, es handle sich immerhin um Janacek, über den Haufen und fuhrt nach Wiesbaden. Selber schuld.

Denn dass mir der Abend gar nicht, aber auch so wirklich gar nichts gegeben hat, könnte auch mit meiner Abendkonstitution zu tun gehabt haben. Der junge südafrikanische Regisseur Matthew Wild verlegte die Handlung in eine öde Plattenbausiedlung des heutigen Russlands – eine Bushaltestelle mit Putinplakat und ein Spielplatz vor einer Häuserfront ziert das Einheitsbühnenbild. In dieser tistlosen Manege führt Wild die Figuren rollendeckend und überzeugend durch den Abend – manches habe ich nicht verstanden (Kinderdouble), manches schon (jedenfalls bilde ich mir das ein), wie zum Beispiel das schwule Pärchen, das sich klammheimlich im ersten Stock trifft. Liebe ist halt und leider immer noch eine gefährliche Sache. Am Ende springt Katja dann in den Gulli, obgleich die Bühne bereits geflutet ist und im zweiten Akt beim Liebesquartett schöne Bilder erzeugt wurden. Liebe ist schön, der Tod jedoch nicht.

Dalia Schaechter keift mit relativ intakter Stimme die Kabanicha, die Männer sind mit Benedikt Nawrath (als Kudrjasch mit für meinen Geschmack zu stark ausgeprägtem Charaktertenor) und Aaron Cawley (als Tichon) ordentlich besetzt. Allein Mirko Roschkowskis Boris ragt mit heldisch geführtem, klaren Tenor hervor – auf seinen Mannheimer Idomeneo darf man sich freuen. Leider wurde ich mit Sabina Cvilak in der Titelpartie nicht so recht glücklich. Zwar verkörpert sie die Rolle sehr glaubhaft und wartet mit schönen Pianostellen auf, aber beim Öffnen der Stimme klirrt mir ihr Sopran einfach zu sehr. Zsolt Hamars Dirigat war repertoiretauglich, ließ aber doch etwas an Rafinesse vermissen.

Auf der Premierenfeier bat Intendant Laufenberg, man möge doch Werbung für die Produktion machen. (Die Auslastung war erschreckend niedrig.) Dem Wunsch komme ich gerne nach – wenn auch nicht der Produktion, sondern Stücks wegen.

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