Alceste / Mannheim (17.1.2016)

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  • January 17, 2016

Das mit Herrn Gluck und mir, das wird in diesem Leben nichts mehr. Sorry. Gut, Herrn Gluck kann das egal sein, weilt er doch seit langem nicht mehr unter uns, aber ich kann mir nicht helfen, irgendwie will der Funke bei mir einfach nicht zünden.

Dabei habe ich die Mannheimer “Alceste” weit stimmiger, kohärenter als die Warlikowski-Inszenierung in Madrid empfunden. Altmeister Dietrich Hilsdorf verlegt die Handlung ins Zeitalter des Komponisten – und gibt somit der Kostümabteilung Gelegenheit, die Damen und Herren des Chores in ansehnliche Roben zu stecken. Bis zur Pause konnte ich der Handlung ohne weiteres folgen, im dritten Akt wurde ich dann irgendwann abgehängt. Vielleicht liegt es ja wirklich an der Thematik, aber mein Eindruck war, dass Hilsdorf, der bestimmt wusste, was er da tat, auch nicht so genau wusste, wie er es tun sollte. Am Ende, so scheint es, überleben Alceste und Admète – auf Kosten ihrer beiden Kinder.

Rubén Dubrovskys Dirigat im hochgefahrenen Graben besitzt Drive. Die Sänger sind ungewohnt heldisch besetzt – allen voran der Hercule von Joachim Goltz. Da gab jedenfalls jemand seine Visitenkarte für den Wotan ab. Den Oberpriester Apollons gab Thomas Berau mit ebenfalls kräftigem Bariton. Michael Babas dunkel timbrierter Tenor meistert die undankbare Partie des Admète achtbar. Sein Französisch ist allerdings ausbaufähig – wenigstens der Name seiner Gattin sollte ihm doch fehlerfrei über die Lippen kommen. (Das “c” in “Alceste” ist einfach kein “ts”.) Cornelia Ptassek wirkte relativ blass, beinahe passiv, kein Aufbegehren war da zu sehen oder zu hören. Die Mittellage gefällt wie immer, die Tiefe war schwach, die Höhe wiederum etwas dünn, was bei dieser Partie aber nachvollziehbar ist. Die “divinités du Styx” besingt sie jedenfalls eindrücklich. Hauptkritikpunkt ist von meiner Seite hier bezüglich der zu verwaschenen Diktion vorzubringen.

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