Der Rosenkavalier / Frankfurt (9.1.2016)

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  • January 10, 2016

“Das Bett steht dann doch immer links” – meinte jedenfalls mal ein Opernfreund, um zu verdeutlichen, dass kein Konzept der Welt einen “Rosenkavalier” inszenatorisch aus den Angeln heben kann. Nun, das war bevor Claus Guth sich dieses Stücks in Frankfurt annahm.Bei der Einführung wurde das Konzept wie folgt erläutert: “Der Regisseur hat sich gefragt, warum die Feldmarschallin diese Lebensweisheit über die Zeit und deren Endlichkeit besitzt. Daher ist er davon ausgegangen, dass sie sterbenskrank ist, um ihr Ende weiß und deswegen spielt die Handlung auch in einem Sanatorium, einem Kurort.” Okay, warum nicht. Mit der gleichen Logik könnte ich zwar auch behaupten, dass die Weitsicht der Feldmarschallin vom Konsum bewusstseinserweiternder Substanzen herrührt und das Stück demzufolge in einem Hanffeld oder einer Opiumhöhle zu spielen habe, aber warum mal nicht ein “Rosenkavalier” mit Konzept statt der klassischen 08/15-Abbildung ? Nun, für mich trägt dieses Konzept einfach nicht. Gerade der erste Akt erinnert mich in seiner Morbidität an den dritten Akt “Traviata”. Die Selbstcharakterisierung der Feldmarschallin als “halb mal lustig, halb mal traurig” findet eben nur zur Hälfte statt. Suizidaler Mehltau statt gelassene Melancholie.

Dabei, und das ist das besonders Bedauerliche, stand gestern beider Wiederaufnahme eine bemerkenswert gute Besetzung auf der Bühne. Angereist war ich in erster Linie wegen Maria Bengtsson. Schon als “Daphne” hatte sie mich tief berührt und ihre Feldmarschallin war darstellerisch großes Kino. Das Timbre gefällt ausnehmend, die Höhe ist sicher – allerdings, und dieser Tropfen Wasser in den Wein muss sein – klingt die Stimme im zweiten Rang bereits relativ klein, im ersten Rang dann wiederum kräftig genug. Jenny Carlstedt überzeugte als Octavian ebenfalls, die Hosenrolle spielt sie, was für mich nicht unwichtig ist, ebenfalls überzeugend. Toll, so jemanden im Ensemble zu haben. Gleiches lässt sich auch zu Kateryna Kaspers Sophie sagen, da gab es nahezu keine “Fiepsigkeit”, wie man sie in dieser Rolle ja des öfteren hört. Der mir bis dato unbekannte Karl-Heinz Lehner gab einen viril-jugendlichen Ochs mit dunklem Timbre, auch wenn die Stimme gelegentlich etwas voller hätte klingen können. Das Wienerische lag ihm gut, aber es irritiert dann und wann, wenn auf den Schmäh ein lupenrein hochdeutsch artikulierter Satz folgt. In den kleineren Partien überzeugten vor allem Mario Chang als Sänger und Katharina Magiera als Annina. Hans-Jürgen Lazar hatte als Wirt übrigens einen der schlimmsten Aussetzer meines bisherigen Opernlebens (“Ihre hochfürstliche Gnaden, die Frau Fürstin Feldmarschallin!”).

Das Dirigat von Sebastian Weigle empfand ich als gelungen, die Walzer wurden sehr betont, zu Beginn des dritten Aktes ließ er ordentlich krachen, im Schlussterzett hätte etwas Mäßigung bei der Lautstärke gut getan.

Was bleibt ? Ein musikalisch in jeder Hinsicht zufriedenstellender, interpretatorisch jedoch fragwürdiger Abend.

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