Neujahreskonzert / Stuttgart (1.1.2016)

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  • January 2, 2016

Ich bin kein großer Freund von Silvester- oder Neujahreskonzerten. Man nudelt entweder Beethovens Neunte lieblos aber laut runter, trällert Brindisis oder serviert Wiener Operette mit ganz viel Zuckerguss. Glücklicherweise hat sich das in den letzten Jahren – so jedenfalls mein Eindruck -geändert. Die Stuttgarter Philharmoniker begingen das neue Jahr unter der Leitung des inspiriert dirigierenden und zwischendrin auch charmant-humorvoll kommentierenden GMDs des Saarländischen Staatstheaters, Nicholas Milton. Dargeboten wurde viel Bernstein (Ouvertüre, sinfonische Tänze, zwei Arien aus “West Side Story” sowie die “Candide”-Ouvertüre), südamerikanisch inspirierte Orchesterstücke (“Danzon Nr. 2” von Marquez und “Tico Tico” von Zequinha de Abreu), Klassiker von Gershwin (“The man I love”, “Someone to watch over me”) und Friedrich Hollander (“Ich weiß nicht zu wem ich gehöre” und “Ich bin von Kopf bis Fuß”). Besonders erfreulich war die große Besetzung – eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Wenn man aber bedenkt, wie oft Musicals in Sparbesetzung und musikalisch verstärkt werden (Keyboards), dann ist die gestrige Darbietung allein in quantitativer Sicht eine ungeheure Wohltat. Innerhalb kurzer Zeit war das Orchester mit Leib und Seele mit dabei, rief beherzt “Mambo” in den nahezu ausverkauften Beethovensaal der Liederhalle und ließ es rücksichtslos krachen, relaxt swingen und beseelt schwelgen. Dass einzelne Orchestersolisten nach den einzelnen Stücken “ihren” Applaus vor dem ganzen Orchester abholen durften, zeigt auch, welche Wertschätzung Milton den einzelnen Orchestergruppen zukommen ließ – ein sehr sympathischer Zug des Dirigenten.

Die Anreise auf mich genommen hatte ich in erster Linie wegen der Solistin des Abends, Angela Denoke. Die Gershwinsongs liegen Denoke nicht ausnehmend gut in der Kehle, hier wäre eine stärkere Mittellage nötig. Ihre Maria ist hörbar protestantisch-nordeutsch und nicht puerto-ricanisch – allein, was tut’s, wenn beim “Somewhere” Gänsehaut erzeugt wird ? Es schadet hier bestimmt nicht, dass die Stimme eigentlich fast zu groß für diese Partie ist.  Ich bin jetzt jedenfalls schon sehr gespannt, wie Cecilia Bartoli ihre Maria in Salzburg anlegen wird….  Eine Art Heimspiel hat sie dann bei den Hollaender-Songs. Beim “Ich weiß nicht zu wem ich gehöre” flirtet sie charmant mit Dirgent und Konzertmeister, während das “gehöre” silbrig-glänzend durch das voluminöse Orchesterarrangement schimmert.

Wer in oder bei Fürth bzw. Garmisch-Partenkirchen lebt, sollte sich die Folgeaufführungen (3. bzw. 6.1.) nicht entgehen lassen.

Das neue Jahr, es fängt gut an !

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