Die Bassariden (Mannheim / 20.12.2015)

  • 0
  • December 23, 2015

So ganz konnte ich den Hype um den vor drei Jahren verstorbenen Hans Werner Henze nicht nachvollziehen. Sein “Prinz von Homburg” habe ich mit wohlwollendem Desinteresse zur Kenntnis genommen und seine “Elegie für junge Liebende” (Wiesbaden) haben mich trotz gelungener Regie auch nicht gerade vom Hocker gehauen. Aber aller guten Dinge sind drei – und wenn Mannheim die “Bassariden” auf den Spielplan setzt, dann gibt man eben dem Komponisten noch eine Chance.

Ich habe es jedenfalls nicht bereut, denn sowohl von der Handlung als auch von der musikalischen Umsetzung hat mich dieses Werk weit mehr angesprochen. (Nebenbei möchte ich dennoch bemerken, dass mich vieles an “Krol Roger” erinnerte. Und der klingt süffiger, ist kürzer und rätselhafter.) Ohne Pause dauert es dank Kürzung (das Schäferspiel fiel dem Rotstift zum Opfer) nur noch zwei Stunden, die jedoch fast wie im Fluge vergehen. Daran hat auch die Regie von Frank Hilbrich einen gewissen Anteil, denn die Darstellung von Orgien mit Choristen ist meistens eine peinliche anmutende Drahtseilwanderung – “Tannhäuser”-Regisseure können davon mehr als ein Lied singen. Durch den gelungen Einsatz von Live-Videoübertragungen werden hier jedoch die Klippen der Peinlichkeit gekonnt umschifft. Die Motivationen der Charaktere haben sich mir durchaus erschlossen und am Ende fiebert man ein wenig unruhig mit – ähnlich wie bei der “Salome” und dem abgeschlagenen Kopf.

Rossen Gergov verzichtet auf eine akustische Überwältigungsstrategie und setzt eher auf die feineren Details der Partitur. Das danken ihm auch die Sänger, deren Englisch häufig nicht sonderlich idiomatisch klang. Ausnahme und gleichzeitig beste Leistung hier: Roy Cornelius Smith. Smith, der in so manchem Verismo-Stück eher blass blieb, überzeugt hier durch wirklich heldischen Klang und eine bestechende Höhe. Vielleicht sollte die Intendanz ihn häufiger in Strauss-Partien einsetzen. Karsten Mewes nimmt man den jungen Pentheus optisch nicht wirklich ab, aber als Wotan-gestählter Bariton kommt er mit den Anforderungen mühelos zurecht. Julia Faylenbogens Agaue blieb eher blass, während Sebastian Pilgrim als Kadmos nachdrücklich auf sich aufmerksam machte.

Share Button
(Visited 67 times, 1 visits today)