Herzog Blaubarts Burg + Der Zwerg / Kaiserslautern (12.12.2015)

  • 0
  • December 13, 2015

Leider habe ich es erst zur Dernière des Doppelpacks Blaubart/Zwerg nach Kaiserslautern gepackt. Leider, denn diesen “Zwerg” hätte ich gerne ein zweites Mal gesehen. Doch der Reihe nach.

Zu Beginn Bartoks symbolistisch aufgeladener Einstünder in deutscher Übersetzung im relativ engen, gut ausgeleuchteten Bühnenbild. Trotz solider Personenregie langweilen sich viele der wenigen Zuschauer hörbar. Dieses Publikum ins Kaiserslautern ist die reine Pest. So wurde mir auch ein wenig Guido Jentjens stattlicher Bass verleidet. Zu Adelheid Finks Judit möchte ich gerne meine Begleitung zitieren: “Der Schreckschraube hätte ich gleich den siebten Schlüssel gegeben.”  Angesichts eines vokalen Porträts, das mehr mit einer Herodias gemein hatte, eine durchaus passende Beobachtung.

Nach der Pause dann Zemlinskys Meisterwerk. Und ich muss gestehen, dass ich begeistert war. Das liegt nicht nur an den cleveren Kostümen, sondern insbesondere an einer Regie, welche die große Erkenntnisszene des Zwerges bezüglich seiner Hässlichkeit fast wie ein Horrorschocker präsentiert. (Regie führte in beiden Teilen Hausherr Urs Häberli.) Noch nie ging mir dieses zehnminütige Solo derart nahe, und daran hat Heiko Börner großen Anteil. Das Lied von der Orange meistert er geschmackvoll mit einigen Abstechern in die voix mixte,  bleibt aber auch bei den Ausbrüchen stets auf Linie, geht nie in den Orchesterfluten unter. Ferner wurde nachhaltig belegt, dass Wortverständlichkeit nicht automatisch Deklamieren bedeuten muss. Mit wahlweise warmen und eiskalten Sopran, lässt die junge Südkoreanerin Jihyun Cecilia Lee als Infantin aufhorchen.

Wie stets eine sichere Bank und so manchen höher dotierten Klangkörper in den Schatten stellend: das Orchester unter der Leitung von GMD Uwe Sandner.

Share Button
(Visited 79 times, 1 visits today)