Le prophète / Karlsruhe (28.11.2015)

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  • November 29, 2015

Aller guten Dinge sind drei. Es gibt Inszenierungen, die sich beim mehrmaligen Sehen “abnutzen”. Man weiß einfach, was kommt – vergleichbar in etwa mit mit dem Essen in seiner Stammtrattoria. So ist es auch bei dieser Inszenierung von Tobias Kratzer. Wenn man sich aber auf das zu Erwartende freuen kann, ist es fast noch ein wenig schöner. Zwar fallen mir beim dritten Male einige, nennen wir sie mal “Fragwürdigkeiten, eher auf als beim ersten Mal, aber mir fällt spontan keine Inszenierung ein, die den Geist der “grand opera” derart gelungen ins 21.Jahrhundert transportiert. Höhepunkt ist und bleibt natürlich das Ballett.
Musikalisch hat die Produktion eine gesunde Routine erworben, wobei das Dirigat von Johannes Willig ja schon bei der Premiere tadellos war. Eric Fenton, der sich in der B-Premiere im dritten Akt noch zurücknahm, überzeugt bereits hier, als er vom Verführten zum Verführer wird. Agnieszka Tomaszewskas Sopran gefällt erneut, kann aber mit der A-Besetzung noch nicht ganz mithalten, dafür klingt mir die Stimme etwas zu kehlig. Unangefochten ist und bleibt hingegen Ewa Wolak – dieser Alt haut einen um. Eigentlich wäre doch hier eine Solo-CD mehr als nachvollziehbar.
Einziger Kritikpunkt ist das zu vernehmende Esperanto aller beteiligten Hauptdarsteller – wüsste man nicht, dass es Französisch ist, was da gesungen ist, man könnte auch so manch andere Sprache “verdächtigen”. Das kann aber den guten Gesamteindruck nicht trüben.

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