Jonas Kaufmann: Puccini / Frankfurt (14.10.2015)

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  • October 15, 2015

Jonas Kaufmann ist ein sympathischer Mensch.
Jonas Kaufmann ist ein attraktiver Mann.
Jonas Kaufmann ist ein intensiver Darsteller.
Jonas Kaufmann ist ein vielfältiger Tenor.
Jonas Kaufmann ist nichts für mich.

Die alte Oper war gestern bis auf den letzten Platz ausverkauft. Und ich wollte die Gelegenheit nutzen, nach meinen bisherigen, eher gemischten Erlebnissen mit Jonas Kaufmann, endlich herauszufinden, was ich von dem Tenor unserer Tage zu halten habe. Nach dem gestrigen Abend – um es kurz zu machen – weiß ich, dass ich auch in Zukunft keinen Bogen um ihn zu machen brauche, aber seinetwegen bestimmt nirgendwohin fahren werde.
Kaufmann gab im gestrigen Puccini-Abend im Wesentlichen weite Teile seines aktuellen Albums wieder, allerdings ohne die “Butterfly”, “Boheme” und “Trittico”. Nach zwei Arien zum Warmwerden (aus “Le villi” und “Edgar”) ging es zweimal mit “Manon Lescaut” weiter. Nach der Pause “E luccevan le stelle”, “Una parola sola” und natürlich “Nessun dorma”, gefolgt von drei Zugaben (Bildnisarie aus “Tosca”, “Ch’ella mi creda” und Refices “Ombra di nube”). Weit mehr als Zwischenstücke waren für mich orchestralen Zwischenspiele, sehr überzeugend dargebracht von der Staatskapelle Weimar unter der Leitung von Jochen Rieder.
Und Kaufmann ? In der Mittellage klingt die Stimme warm, angenehm, aber auch nicht besonders ereignisreich. Solide. Was man eben vor einem Monat noch über einen VW gesagt hätte. Die Höhe klingt manchmal merkwürdig dünn, manchmal ausreichend voll, aber immer mit viel Druck abgezwungen. Die Klangbildung durch ständiges Abdunkeln, Verlagerung des Stimmsitzes (zu) weit nach hinten lässt die tenoralen Aufschwünge imposant erscheinen, aber auf eine Weise, die mir partout nicht behagen kann und will. Es ist ein wenig so, als ob ein Hochspringer sich ohne Not Gewichte an die Beine legen würde. Da ist natürlich eine gewisse Höhe besonders eindrucksvoll – aber sie wäre es wahrscheinlich noch mehr, wenn sie mit Leichtigkeit erreicht würde. Das soll wiederum nicht heißen, Kaufmann mühe sich mit den Partien ab – keineswegs. Die Höhe ist immer sicher – und was Kaufmannso schnell keiner nachmachen dürfte, ist seine Fähigkeit ein “lautes”, sprich: hörbares Piano, zu produzieren.
Leider empfand ich manche Interpretation auch als schlicht langweilig. Bestes Beispiel “E luccevan le stelle”. Man kann die Sterne-Arie aus “Tosca” resigniert, verinnerlicht anlegen – aber spätestens am Ende muss es dann doch eine Art vokales Aufbäumen geben (“mai tanto la vita”). Und da bäumt sich eben gar nichts auf, die Arie verklingt ganz leise, im Nichts, genauso wie sie begonnen hatte.

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3 Comments

  • Netter Verriss von Kaufmann.
    Ich habe ähnliche Probleme, wenn Kaufmann italienisches Repertoire singt. Schöner Blog, ich war selbst vor Jahren einmal öfters in der Oper Stuttgart.
    Grüße aus Berlin

    • admin says:

      Lieber Herr Schlatz,

      danke für die netten Worte – vor allem, wenn sie von jemandem kommen, der einen mir aus unverständlichen Gründen bisher unbekannten und spannenden Blog führt! Da habe ich für die nächsten tage ja wieder mal Lesefutter…..
      Zu Kaufmann: Ich kann mir nicht helfen, ich finde einfach nichts an dieser Stimme, so oft und intensiv ich auch suche. Klar, dieses Gaumige nervt, aber ansonsten klingt das in technischer Hinsicht wirklich ohne Fehl und Tadel. Und lobenswert vielfältig in sein Repertoire ebenfalls.

      Gruß in die Hauptstadt !
      F.Kaspar

      • Jeder, der genau hinhört, hat wohl Schwierigkeiten mit Kaufmann.
        Mich stören am meisten die oft grausam langen, mit Halbstimme gesungenen Passagen. Und im italienischen Fach bin ich ähnlich skeptisch wie Sie. Französisch und Deutsch liegt ihm besser, wie ich finde. Bei Kaufmann liegen für den Zuhörer Entzücken und Schrecken oft nur einen Takt auseinander.
        Man muss sich bei Kaufmann reinhören. Abseits der Galakonzerte macht es sich Kaufmann selten leicht. Er überzeugt mit viel Interpretationswillen.
        Alle Achtung, Sie kommen ja mächtig herum. Interessant, dass Sie zu den Meistersingern auch in Berlin waren.
        Ich war in den Neunzigern eine Zeitlang in der Stuttgarter Oper unterwegs und habe viele gute Erinnerungen. .
        Weiterhin viel Spaß im Süden Deutschlands.
        Grüße A.S.