Don Giovanni / Schwetzingen (27.9.2015)

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  • September 28, 2015

Bei bestem Kaiserwetter konnte man am Sonntag ein keineswegs preisgünstiges, aber dennoch lohnenswertes Gastspiel des Saarländischen Staatstheaters im kleinen Schwetzinger Schlosstheater erleben. Eine Bewertung der Produktion (Regie: Dagmar Schlingmann) fällt schwer, da die Inszenierung für das deutlich größere Haus ausgelegt  scheint und so manches auf der Bühne improvisiert wirkt. Dass das der Freude an der “Oper aller Opern” (E.T.A Hoffmann) keinen Abbruch tat, lag zum einen an der romantisch angehauchten Interpretation aus dem Orchestergraben. Eigentlich nicht so mein Ding, ich bevorzuge in der Regel zackige Mozartdirigate. Nicholas Milton und sein Orchester sind jedenfalls schon eine andere Hausnummer als die Heidelberger Philharmoniker, die ja auch regelmäßig vor Ort zu hören sind.

Zum anderen hat der Genuss mit einem durchweg gutem Ensemble zu tun. Herdas Anna Jonasdottir und Markus Jaursch waren ein einnehmendes Buffo-Pärchen, Hiroshi Matsui ein imposanter Komtur, Carlos Moreno Pelizari  ein leicht nasaler Don Ottavio, Elizabeth Wiles eine ungewohnt dramatische Donna Anna und Teresa Andrazis Gift und Galle speiender Donna Elvira hörte man die Indisposition gar nicht an. Als Diener Leporello ist der junge Finne Tapani Plathan zu hören – eine echte Entdeckung. Die Bühne dominiert aber James Bobby als verlebtes, aber nicht unattraktives Alice Cooper-Double bzw. Don Giovanni. Wahnsinn, wie der Amerikaner alle Facetten dieser vielfäktigen Partie auf Knopfdruck abrufen kann. Einschmeichelnd-manipulativ das “La ci darem la mano”, aggressiv und mit “nach mir die Sintflut”-Attitüde das “Fin ch’han dal vino”.

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