Hoffmanns Erzählungen / Bregenz (6.8.2015)

  • 0
  • August 9, 2015

So leid es mir tut, auch in der mittlerweile vierten Inszenierung konnte ich keinen Zugang zu diesem Werk finden – dabei kann ich Offenbach einiges abgewinnen. Somit möchte ich der Regie von Stefan Herheim keineswegs die Schuld in die Schuhe scheiben, dass mich der Abend weitestgehend kalt gelassen hat – einzig nach der Pause, im Antonia-Akt, erlebt man psychologisch packendes Theater. Zuvor meint man fast, Barrie Kosky von der Komischen Oper Berlin hätte Regie geführt – so trashig-schwul wirken manche Passagen auf der riesigen, drehbaren und wandelbaren Showtreppe. Auch dem Dirigat (Johannes Debus) fehlt es bei den  für Offenbach so typischen Couplets an Spritzigkeit – beim großen Drama im Antonia-Akt kochen dann große Emotionen aus dem Graben hoch.

Daniel Johansson erledigt seine Aufgabe stimmlich mit Anstand – darstellerisch fehlt ihm für diesen alkoholkranke Künstlernervenwrack mit Liebesproblemen das Charisma. Mandy Fredrich läuft als Antonia – wie ja schon erwähnt – zu großer Form auf, Kerstin Avemos Olympia zeichnet sich zwar nicht durch einen besonders aparten Sopran aus, aber wie sie “Les oiseaux” von Strophe zu Strophe immer noch absurder ausziert, das habe ich so noch nie gehört. Große Klasse. Beide Sängerinnen teilen sich im Übrigen auch die Giulietta. (Warum eigentlich ? – Ach, egal.) Rachel Frenkel blieb relativ blass, ganz im Gegensatz zum Charaktertenor Christophe Mortagne, der bewies, dass es keine kleinen Rollen, sondern nur kleine Darsteller gibt. Ebenfalls in vier Rollen, nämlich denen der “Bösewichter” zu hören: Michael Volle. Von Anfang bis Ende eine umwerfend-darstellerische Präsenz und profunde Stimmgewalt. Seine Spiegelarie krönt er mit einem geschmackvoll falsettierten Gis.

Share Button
(Visited 67 times, 1 visits today)