Der fliegende Holländer / Bayreuth (8.8.2015)

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  • August 9, 2015

Dieser “Holländer” begann verdammt vielversprechend – mit einer fetzigen, fehlerfreien Ouvertüre. Und das, wo der Graben weiß Gott kein Gewinn für diese Partitur darstellt. Beim Verlassen des Gebäudes hörte ich einen Besucher sagen, das Dirigat habe ihm besser als das von Thielemann gefallen. Kann ich sogar verstehen. Auch im Laufe des Abends bleibt das orchestrale Niveau (Axel Kober) hoch, auch wenn es ein, zwei mal bei der Koordination mit dem Chor wackelt. Und dann wären wir schon beim zweiten Pluspunkt der gestrigen Aufführung. Ich weiß, den Bayreuther Chor zu loben, ist eigentlich überflüssig. Aber das war wie so oft, eigentlich wie immer, vom Allerfeinsten. Allein das “hui” des Gespensterchores im dritten Akt – wie oft hört man einfach nur ein Forte. Nicht jedoch hier – allein wie auf diesem einen Ton die ganze dynamische Palette abgedeckt wird, das ist einfach der Wahnsinn.Dass der Abend so intensiv begann, lag auch am unheimlichen Bühnenbild des ersten Aktes. Leider weicht es im zweiten und dritten Akt einem tristen Einheitsgrau. Das Ende mit dem Wechsel der Produktion von Ventilatoren auf Liebesfigurinen war für mich plausibel. Zwischendrin gab es jedoch immer wieder szenischen Leerlauf und Banalitäten, die jedoch nicht besonders ins Gewicht fallen. Kein “Holländer” für die Ewigkeit, aber ein brauchbarer.

Sängerisch trumpfte vor allem Ricarda Merbeth als sehr heldische Senta auf. Tomislav Muzek war als Hausmeister-Erik der passende Waschlappen, leider auch stimmlich. Gewiss keine schlechte Leistung, aber ich bin wohl nicht der Einzige gewesen, der sich gefragt hat, wann der fantastische Steuermann Benjam Bruns das Upgrade zum Erik erhält. Kwangchul Youn gab wie so oft einen verlässlichen Daland. Samuel Youn in der Titelpartie war korrekt, aber es fehlte an Dämonie, am Abgründigen – auf gewisse Weise war Senta fanatisierter als er. Auch ein paar Vokalverfärbungen (“Schlönd” statt “Schlund”) sind zu vernehmen. Es ehrt die Festspiele, nach dem Rauswurf Nikitins an dem Koreaner festzuhalten, aber gibt es da wirklich keinen Besseren ?

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