Macbeth / Heidenheim (1.8.2015)

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  • August 2, 2015

So richtig traurig war ich nicht, dass die Dernière des “Macbeth” witterungsbedingt nicht im Rittersaal des Schlosses Hellenstein, sondern indoor, also im direkt angeschlossenen Congress Centrum stattfand. Die Opernfestspiele Heidenheim haben es schon längst nicht mehr nötig, das zahlreich erscheinende Publikum durch eine pittoreske Außenkulisse auf die Ostalb zu locken. Es ist die musikalische Qualität, welche die Anreise lohnt – und die entfaltet sich naturgemäß besser im geschlossenen Raum. So konnte man von Marcus Bosch erneut ein Dirigat von sinfonischer Qualität vernehmen – und die Stuttgarter Philharmoniker haben daran einen erheblichen Anteil. So sauber, astrein habe ich einen “Macbeth” noch nie gehört. Klanglich eigentlich auch fast zu schön, aber bestens präpariert der Chor aus Brünn. Hermann Schneiders Regie erzählt die Geschichte ohne Aufhebens, gelingt aber das Kunststück, die Hexenszenen einmal nicht peinlich wirken zu lassen. Das eingeschobene Ballett war dennoch überflüssig.

Auch in sängerischer Hinsicht ein überzeigender Abend: Young Kwon gab den banquo mit profundem Bass, Demos Flemotomos’ Macduff war für meinen Geschmack fast schon zu kräftig. Antonio Yang singt die Titelpartie mit teutonischem Einschlag, allerdings mit vorbildlichem Legato. Dafür, dass Morenike Fadayomi ein derart breit gefächertes Repertoire aufbieten kann, erledigt sie ihre Aufgabe der Lady mehr als anständig. Die Stimme ist nicht wirklich schön, aber ausdrucksstark. Das Brindisi mit all den Trillern war sicher der Schwachpunkt, das Vieni! t’affretta! der stärkste Teil ihrer Darbietung.

Nächstes Jahr dann: “La Boheme”.

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