Manon Lescaut / München (31.7.2015)

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  • August 1, 2015

So, zum Saisonabschluss hat die Bayerische Staatsoper noch einmal alle Reserven mobilisiert und die Neuenfels’sche “Manon Lescaut” aufgeboten. So richtig begeistern konnte mich der Abend allerdings nicht, ohne dass ich enttäuscht wäre. Eher ratlos ließ mich die Inszenierung zurück – gerade beim Verismo bin ich für eine naturalistisch angehauchte Inszenierung dankbar, vieles verpufft sonst. Dabei braucht es nicht einmal einen großen Bühnenzirkus, aber gerade der erste Akt ergab für mich jedenfalls keinen Sinn. Am Ende dann hingegen großes Kino in der Wüste – mehr als eine leere Bühne braucht man nicht. Und – zugegeben – zwei gute Darsteller. (Fürs Protokoll: Markus Eiches Lescaut war vorbildlich, Roland Brachts Geronte unterirdisch, Dean Power hat sich nach diesem Edmondo und dem Elemer mal einen Tamino verdient.) Sowohl Jonas Kaufmann als auch Kristine Opolais sind diesbezüglich über jeden Zweifel erhaben. Stimmlich hingegen ist jedoch das Engagement letzterer für mich nur schwer verständlich. Freilich, eigentlich hätte la Netrebko singen sollen. Dennoch, die Stimme Opolais’ ist schlicht zu klein. In den ruhigen, lyrischen Stellen klingt das alles sehr apart, zugegeben. Aber sobald sie die Stimme aufmachen muss, und das ist zum Erreichen des Puccini’schen Klangzaubers eine conditio sine qua non, dann wird sie dünn, leicht schrill und entbehrt jeglicher Klangschönheit. Deutlich besser der nominelle Star des Abends, Jonas Kaufmann.

Sein baritonales Timbre goutiere ich bei Puccini/Verdi weiterhin weniger als bei Wagner, das ist jedoch allein mein Problem. Aber Kaufmann hat Kraft und kann glänzen. Dass er in seinem Kostüm ziemlich arriviert und so gar nicht studentisch-Bafög-beziehend wirkt, ist ihm ebenso wenig anzulasten. Minimale Kratzer bei den Ausbrüchen im dritten und vierten Akt dürften den parallelen Proben in Salzburg geschuldet sein. Wenn man bedenkt, wieviele Tenöre um diese Partie einen Bogen gemacht haben, ist Kaufmann nichts anderes als sensationell. Und in meinen Ohren trotzdem verschenkt. Schade. Und irgendwie bezeichnend, dass sich nach keiner der großen Stellen, die förmlich zum Reinklatschen animieren, keine Hand – oder nur einmal ein paar wenige nach dem “Donna non vidi mai” und bei Opolais schon mal gar nicht – rühren wollte obwohl der Dirigent kurz absetzte. Womit wir beim eigentlichen Star des Abends sind. Dieser stand bzw. saß im Graben und erhielt folglich als einziger Szenenapplaus. Dieses Vorspiel zum dritten Akt hat man selten so bewegt musiziert gehört und erzeugte bei mir zum ersten Mal an diesem Abend Gänsehaut. Alain Altinoglu malt die Partitur mit einem feinen Pinsel und Aquarellfarben, er widersteht der Verlockung, diese Partitur zum Gleißen zu bringen, sondern lässt sie vielmehr schimmern. Wunderbar. Ist da an der Bayerischen Staatsoper nicht bald (in drei Jahren also) eine Stelle frei ?

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