Halka / Kaiserslautern (18.7.2015)

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  • July 20, 2015

Woran erkennt man, dass man sich im Pfalzbau in Kaiserslautern befindet ? Nun, zum einen an dem wohl unverschämtesten Publikum im süddeutschen Raum (und wenn noch so laut gesungen wird – dann spricht man eben auch lauter) und zum anderen an der Rarität, die höchstwahrscheinlich gezeigt wird. Vorgestern war es die polnische Nationaloper “Halka” – was bei mir schon im Vorfeld die Frage auslöste, woran es denn liegt, dass die “Verkaufte Braut” und der “Freischütz” bedeutend häufiger auf den Bühnen zu sehen sind. Nach der Aufführung war mir klar, was da für den internationalen Durchbruch fehlt – es mangelt zum Beispiel an einer speziellen Art des Humors (“Verkaufte Braut”) oder Abgründigem (“Freischütz”). Mit Ausnahme der polnischen Tänze könnte “Halka” zudem als früher Verdi (der ja auch nicht nur Meisterwerke ablieferte) durchgehen – aber auch die Geschichte selber über ein Bauernmädchen, das vom Gutsherren geschwängert und dann prompt sitzengelassen wird, ist nichts genuin Polnisches. (Oder etwa doch ?) Jedenfalls taugt das Ganze für einen soliden Einakter, aber nicht für knapp zwei Stunden, zumal sich die Charaktere wirklich null entwickeln. im zweiten Teil kommt dann endlich so etwas wie konkrete Gesellschaftskritik, aber auch nur kurz. Dann darf Halka erneut in einer langen Arie alle möglichen Vogelarten (Taube, Falke, Lerche,…..) larmoyant besingen.

Man sieht bereits – die Geschichte ließ mich kalt. Und die kreuzbrave, weil auf bloße Nacherzählung bauende Regie von Michael Sturm tut nichts, um das Werk irgendwie verständlicher zu machen. Das Dirigat von Rodrigo Tomillo hingegen hat bei den Tänzen Schmackes (da wurde das Ballett übrigens sehr gut integriert) und bei den vielen ich-tu-mir-noch-mal-eine-Arie-leid-Teilen elegischen Charakter.

Um wirklich zu überzeugen, bräuchte man für diese technisch nicht einmal sonderlich anspruchsvolle Partitur hingegen Sänger von Rang, die das Gesungene ebene mit ihrer Stimme veredeln. Und für solche Sänger fehlt in Kaiserslautern logischerweise das Geld. Ich habe mich mehr als einmal bei dem Gedanken ertappt, wie das nun ein Mariusz Kwiecień (statt des eher spröden Bernd Valentins als Gutsbesitzer Janusz), eine Ewa Podles (als dessen reiche Braut Sophie – hier von Jennifer Feinstein mit ausreichend Gift im vierten Akt gesungen) oder Alexandra Kurzak die Titelpartie (auch wenn die Stimme da wohl noch nicht groß genug ist) geben würde. Wobei Arlette Meißner ihre Sache ohne Fehl und Tadel macht, aber gerade hier bräuchte man eine richtig warme Stimme a la Harteros oder Schwanewilms. Dann wäre ddas ganz großes Kino. Der einzige Glücksgriff (und wo ich nicht sofort an die Alternative Piotr Beczala gedacht habe) in den vier Hauptrollen war Alexis Wagner als der in Halka verliebte Stolnik. Dieser zeichnet sich durch einen hellen, klaren, gut fokussierten Tenor aus, wie man ihn vor allem in Brittenpartien findet.

Nichtsdestotrotz: danke an Kaiserslautern für diesen aufschlussreichen Abend und überhaupt für eine wie so oft innovative Spielplangestaltung.

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