Der ferne Klang / Mannheim (15.7.2015)

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  • July 16, 2015

Nach “Irrelohe” in Kaiserslautern zog nun auch Mannheim mit einem Werk Franz Schrekers nach. Schade, dass sich so wenig Leute ins Nationaltheater verirrten – die Aufführung hätte weiß Gott mehr Resonanz verdient gehabt. Dass ich mit der Aufführung selbst eher wenig anfangen konnte, dürfte weniger an Regisseurin Tatjana Gürbaca als dem Plot liegen. Dennoch: Gürbaca erzählt klar und nachvollziehbar, umschifft die der Handlung innewohnende Esoterik gekonnt.

Der Schreker in Kaiserslautern scheiterte in erster Linie an den stimmlichen Anforderungen – und die waren auch hier enorm. Mannheim hat aber den Luxus, die meisten Partien gleich zweimal aus dem eigenen Ensemble besetzen zu können. In der besuchten Vorstellung machte vor allem Cornelia Ptassek einen hervorragenden Eindruck. Die tieferen Lagen sind weiterhin ihr Schwachpunkt, da fehlt es zu arg an Durchschlagskraft.  Ihr Sopran blüht aber umso mehr auf, je höher die Noten liegen – eigentlich ein Wahnsinn. Und eine Leistung, die vom Publikum umjubelt wird. Ebenfalls bemerkenswert Michael Baba als Fritz – die Partie dürfte ähnlich kniffelig wie der Paul in “Die tote Stadt” sein. Babas Tenor kling nicht immer geschmeidig, besitzt aber einen angenehmen, authentisch-baritonalen  (also nicht künstlich abgedunkelten) Charakter. Juhan Tralla als Chevalier sowie Raymond Ayers als Graf machen mit ihren beiden Soli nachdrücklich auf sich aufmerksam und empfehlen sich auch für größere Partien.

Die größte Überraschung des Abends fand für mich jedoch im Graben statt. Ich hatte stets  meine liebe Not mit dem amtierenden Mannheimer GMD, aber was Ettinger da ablieferte, das nötigt Respekt und Anerkennung ab. Er schlägt jede Verlockung aus, den spätromantischen “Soundtrack” auf Kosten der Sänger darzubieten und schafft es gleichzeitig, dem konzentrierten Orchester einen feinen, geradezu ziselierten Klang zu entlocken.

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