Lohengrin / Zürich (11.7.2015)

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  • July 13, 2015

Ein rundum beglückender “Lohengrin” – das hat man selten. In Zürich war man jedenfalls verdammt nah dran.

Das lag sicher am umsichtigen, dramatischen, aber nie dröhnenden Dirigat von Simone Young, der an diesem einen Abend wohl mehr Sympathie von Publikumsseite entgegen schlugen als  in einem Durchschnittsmonat  in Hamburg. Nichts gegen Kent Nagano, aber man wird Frau Young dort sicher noch vermissen…. Die Regie von Hausherr Andreas Homoki entstand in Zusammenarbeit mit der Wiener Staatsoper und lässt die Handlung in einer Art bayerischem Wirtshaus spielen. Das bringt keine neuen bahnbrechenden Erkenntnisse, zeigt aber den Druck, die Engstirnigkeit, mit der Elsa hadert und der sie am Ende auch selbst zum Opfer fällt, als sie nach dem Namen ihres Retters fragt. Interessant das bebilderte Vorspiel zum ersten Akt, in welchem das Verhältnis Friedrich-Elsa genauer beleuchtet wird.

An den stimmlichen Leistungen gemessen war dies vor allem ein Abend des “hellen”,  weniger des “dunklen” Paares. Letzteres liegt weniger an Martin Gantners (etwas zu) hellem, aber wortverständlichen Bariton, sondern an seiner Bühnengattin – der Ortrud  von Petra Lang. Deren “Sopran” ist in der Höhe mittlerweile erschreckend ausgedünnt und entfaltet längst nicht mehr den Furor von vor einigen Jahren. Die Mittellage indes klingt jaulend. Schlimmer ist nur noch ihr Auftreten, das sich am ehesten als männermordende dirndltragende Transvestitwirtin beschreiben lässt. Irgendwie peinlich-schräg.  Beim Budget ist dem Zürcher Opernhaus wohl auch das Budget zu Neige gegangen als man Michael Kraus als Heerrufer mit brüchiger Stimme engagierte, nicht jedoch beim König Heinrich, den Günther Groissböck auf sehr gelungene Weise interpretiert. (Laut offizieller Ansage vor dem Vorhang war er für den “erkrankten” Christof Fischesser eingesprungen – nur hatte der am Abend einen fulminanten Orest gesungen und war sein Abgang bereits Tage zuvor auf der Homepage des Opernhauses vermerkt worden.)

Nun aber zum “hellen Paar”, das in vollem Licht strahlte. Auch wenn sie weniger Applaus als ihr Bühnenpartner erhielt, war für mich Elza van den Heever als Elsa die Entdeckung des Abends. Ich hatte sie in dieser Rolle bereits vor ein paar Jahren ohne Wiedererkennungswert in Frankfurt gehört. Die zahlreichen Ausflüge ins Belcantofach (“Norma”) haben sich nun hörbar bezahlt gemacht. Butterweich die Tongebung, ein vorbildliches Legato und auch darstellerisch sehr überzeugend. Allein die Diktion ist etwas verwaschen. Und Vogt ? Nun, selbst wer Vogt nicht mag, kann nicht umhin zu konstatieren, dass da ein Sänger mit der Rolle (seines Lebens ?) gewachsen ist. Überirdisch schön, ätherisch ist die Tongebung immer noch – allerdings längst nicht mehr so “weiß” wie einst. Es mischen sich deutlich mehr Brusttöne in die Gestaltung, die diesen Lohengrin von seinem sakralen Sockel herunterholen und ihn auch zum Mann aus Fleisch und Blut machen. Seine Unart, Phrasen zu “veratmen”, vernimmt man immer noch, allerdings seltener und dies auch eher am Ende des Abends. Darstellerisch war Vogt trotz orthopädischer Schiene voll präsent und kann im zweiten und dritten Akt  dann auch bei Bedarf  richtig hart, verbissen klingen – um dann mit einer Gralserzählung abzuschließen, von der man noch in Jahren mit Freuden sagen darf: “Ich war dabei.”

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