Iphigenie auf Tauris / Karlsruhe (5.7.2015)

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  • July 6, 2015

Ein überraschend positiver Opernnachmittag im erschreckend leeren Badischen Staatstheater war das gestern – und das lag sicher nicht nur an der angenehmen Klimatisierung. Nachdem ich sowohl “Il Matrimonio segreto” und die drei Martinu-Einakater in Frankfurt hitzebedingt gecancelt hatte, konnte ich mich wenigstens und überraschenderweise zum Gluck aufraffen. Überraschend deshalb, da ich mit Gluck eigentlich wenig anfangen kann. Woran auch immer es liegen mag. Das Experiment hat sich also gelohnt, was mehrere Gründe hat, allen voran die sehr choregraphisch anmutende Regie von Arila Siegert im schön anzusehenden Bühnenbild von Thilo Reuther und das spritzige Dirigat von Daniele Squeo, das in meinenOhren angenehmerweise so gar nicht nach zäher Reformoper klang.

Sängerisch überzeugten mich am meisten der Pylades (Jesus Garcia) mit hellem Tenor sowie der Orest von Andrew Finden. Beide gelang insofern die vokale Quadratur des Kreises, als dass einerseits flexible, gut fokussierte Stimmen zu hören waren, die aber andererseits eben nicht zu laut klangen. Letzteres traf eher wenig auf Katherine Tier in der Titelpartie zu – im Forte scheppert es da schon arg nach 19. Jahrhundert. Viele Piani klingen aber innig und berühren.

Das Einzige, was mich an diesem Nachmittag irgendwie ratlos zurück ließ, war der Einsatz einiger Asylbewerber aus dem Landkreis Karlsruhe als “Gestrandete” (Statisten). Irgendwie empfand und empfinde ich dies weiterhin als eine Art dramaturgischen Voyeurismus; ja – auch als eine Form der künstlerischen Ausbeutung der individuellen Schicksale. Braucht es denn wirklich den “Nervenkitzel”, echte Flüchtlinge auf die Bühne zu bringen ? Wo liegt da der Mehrwert ? Die ansonsten gelungene Regie hätte diesen wohl in erster Linie mediale Aufmerksamkeit heischenden Tricks  eigentlich gar nicht benötigt.

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