Julietta / Frankfurt (27.6.2015)

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  • June 28, 2015

Von Martinu kannte ich bisher nur die “griechische Passion”, ein packendes Musiktheaterwerk über Flucht, Vertreibung und Doppelmoral. Vielleicht hatte ich mir deswegen einfach zu viel von “Julietta” erwartet, das im Jubiläumsjahr auch in Zürich gezeigt wird.  Die Handlung liest sich eigentlich interessant, geht es doch um die Frage, was Erinnerung und was Erfindung ist und wo die Grenzen verlaufen. Der Buchhändler Michel sucht in einer merkwürdigen Stadt die junge Frau, in die er sich einst verliebte. Merkwürdig ist die Stadt deshalb, da keiner ihrer Bewohner im Besitz eines Langzeitgedächtnisses ist und alle Selbstverständlichkeiten des menschlichen Zusammenlebens in Frage gestellt werden. Wer Christopher Nolans Meisterwerk “Memento Mori” gesehen hat, weiß, welch Potential einem solchen Stoffe innewohnt. Nun hat sich Martinu, der sich auch für die Texte verantwortlich zeichnet (wenn auch nicht für die Übersetzung ins Deutsche), für einen heiter-komödiantischen Zugang entschlossen und für mein ganz privates Empfinden daneben gelangt. Aber so richtig. Man kann dem Komponisten sicher nicht vorwerfen, auf die Dramatik verzichtet und die absurden Seiten überbetont zu haben – das ist allein seine Entscheidung – aber es reihte sich eine kuriose Begegnung mit den Stadtbewohnern an die nächste ohne dass wirklich etwas passiert, ohne dass sich eine Art Spannungsbogen auftäte. Und das eine Stunde und fünfzig Minuten lang, dann war allerdings nicht Schluss, sondern erst Pause. Vielleicht hätte ich im dritten Akt ja eine Art “Wende” erleben können, aber das Risiko wollte ich dann doch nicht eingehen und bin gegangen.

Auch musikalisch hat mich nichts vom Hocker gehauen. Es gibt ein paar sehr wenige, kurze instrumentale Stellen, aber in der Regel dominiert ein banaler Parlandoton, der häufig abrupt (wie die Kurzzeiterinnerungen) endet, so dass die Sänger ihre Texte sprechen. Es scheint fast so, als ob Martinu selber nicht so recht weiter wusste. Dabei macht das Orchester unter Leitung des GMDs nichts falsch. Kurt Streit müht sich redlich, auch wenn es seiner Stimme an Schmelz mangelt – gleiches gilt auch für Juanita Lascaro in der Titelpartie.

Wer meine Premierenkarte für die drei Einakter im Bockenheimer Depot nächsten Samstag haben möchte, der melde sich über die Kommentarfunktion.

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