Pique Dame / Strasbourg (16.6.2015)

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  • June 17, 2015

“Tri karti, tri karti, tri karti” – Auch wer des Russischen nicht mächtig ist, dürfte wenig Zeit brauchen um das Drama des Protagonisten der vorletzten Oper Tschaikowskys, “Pique Dame” zu begreifen: ein Emporkömmling und trotzdem weiterhin Außenseiter, in ethnischer und insbesondere finanzieller Hinsicht. Ein Getriebener, der das vermeintliche Problem der unerreichbaren Liebe durch einen einzigen großen Coup am Spieltisch lösen will – und dabei vollkommen übersieht, dass all dies nicht nötig wäre.

Misha Didyk spielt den Hermann beklemmend, raubtierartig und verängstigt. Das eruptive Finale des ersten Bildes ist noch arg zurückhaltend, aber spätestens im Duett mit seiner Angebeteten Lisa, zeigt Didyk auch vokale Präsenz. Dass die Höhe nicht sonderlich stark ist, dürfte bei dieser Partie kein besonderes Hindernis darstellen, die Mittellage überzeugt umso mehr. Sein letztes Solo vor dem Selbstmord ist Zynismus vom Besten. Tatiana Monogarova hat für ihre nicht nur lyrische Partie ausreichend Kraft, aber mir fehlte da das Sehnsuchtsvolle, das farbige Timbre. Ebenfalls eher blass und ohne Erinnerungwert die weitere Herrenriege (Roman Ialcic als Tomski und Tassis Christoyanis als Jeletzki). Spannend hingegen die Besetzung der Gräfin mit Malgorzata Walewska – kein Altstar, der seine Stimmreste vorführt, sondern ein intakter Mezzosopran – dem man sofort abnimmt, warum sie einmal als “Moskauer Venus” bezeichnet wurde.

Da ich die “Pique Dame” bisher erst zweimal hören konnte, möchte ich bei der Bewertung von Marko Letonjas Dirigat eher Vorsicht walten lassen – besonders angesprochen hat es mich nicht.  Wunderbar hingegen – und wie so oft – die Regie von Robert Carsen. Es ist immer wieder erstaunend, wie es ihm gelingt, eine Geschichte genau zu erzählen ohne ihr eine Metaebene oder eine gänzlich abweichend erscheinende aufzuoktroyieren.

 

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