Lohengrin / Pforzheim (10.6.2015)

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  • June 12, 2015

Wagner und Provinz – das beißt sich oft. Zu hoch sind die Anforderungen an kleine Häuser, wirklich adäquate Aufführungen zu Wege zu bringen. In der Goldstadt Pforzheim schlug man sich mit dem “Lohengrin” wacker, ohne dass die Entdeckung eines Wagner’schen El Dorados zu vermelden wäre.

Besonders heikel ist bei den downgesizten Produktionen häufig die Orchesterbalance. Man war beim kniffeligen Vorspiel zum ersten Akt regelrecht froh, als das (dann zu dominate) Blech einsetzte und der Saitenkratzerei ein Ende bereitete. Die Stärke des Dirgates liegt, diplomatisch gesagt, im Forte. Damit überragte GMD Markus Huber die brav nacherzählende Regie von Wolf Widder um Weiten. Pforzheim mag wenig Geld für Ausstattung haben, geschenkt. Aber derart häßliche Kostüme  und ein so langweiliges Bühnenbild, bestehend aus einem verschiebbaren Baugerüst (für beides zeichnet sich Joanna Surowiec verantwortlich) sind mir schon lange nicht mehr untergekommen.

Kurios auch die gespielte Fassung – ausgerechnet bei den Chören wurden hörbare, abrupte Kürzungen vorgenommen, z.B. bei der Ankunft Lohengrins und vollständig das “In Frühn versammelt uns der Ruf” im zweiten Akt. Dafür spielt man das häufig gestrichene “O Elsa! Was hast du mir angetan!” Warum auch immer.

Sängerisch blass bleiben König Heinrich (Matthias Degen), Heerrufer (Aykan Aydin) und auch  leider auch Telramund (Hans Gröning). Anna Agathonos hat sich die Ortrud schlau zurecht gelegt, aber es war schwer zu überhören, dass diese Partie eigentlich nicht einmal eine Grenzpartie für sie darstellt – zu arg hadert sie mit den hohen Noten. Beim “Fahr heim” im dritten Akt kam der erwartbare Offenbarungseid. Schade, denn darstellerisch ist sie ungleich präsenter als ihr Bühnengatte. Beim “hellen Paar” überzeugen beide Sänger: Tiina-Maija Koskela, vor allem durch kluge Pianokultur bei den “trüben Tagen”, aber auch mit Durchsetzungsfähigkeit in der Brautgemachszene. Sympathisch übrigens auch der leicht vernnehmbare Akzent. Reto Rosin leiht der Titelpartie seinen leicht baritonalen Tenor, der von der Kraft her irgendwo zwischen Tamino und Tristan angesiedelt ist. Die Höhen sind etwas dünn, verlieren aber dennoch nicht an Glanz.

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