Peter Grimes / Ulm (5.6.2015)

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  • June 5, 2015

“Who can turn skies back and begin again ?” Das ist nur eine der zahlreichen Zeilen, die zum Nachdenken anregt aus der vielleicht besten Nachkriegsoper. Allerdings bietet sie keine leichte Kost, weswegen sich das Auditorium schon vor der Pause – merkwürdigerweise direkt nach dem Damenquartett des zweiten Aktes – zu leeren beginnt. Dabei mutet die Regie des Ulmer Opernchefs (Matthias Kaiser) keineswegs zuviel zu – die Handlung spielt durchgängig in einem riesigen Schiffsrumpf mit überwiegend stilisierten Bühnenbildern. Noch kann man in Ulm ensembletechnisch aus dem Vollen schöpfen und benötigt wenig Gäste. Unerwartet einspringen musste Susanne Schimmack als Ellen Orford – und ich war heilfroh, meine “Unlieblingssängerin” Oxana Arkaeva verpasst zu haben. Schimmacks Sopran drängt hörbar ins Heldische, kann aber in der “Embroidery”-Arie bewegend-resignierende töne anstimmen. Hans-Günther Dotzauer, eigentlich schon zum Inventar zählend, besitzt mehr einen Charakter- als Heldentenor, meistert die enorme Anforderung aber auf seine Weise sehr annehmbar. Interessanterweise wird er hier vollkommen als Unsympath dargestellt – kein Individuum, das an der Masse scheitert, sondern einzig und allein an sich selbst. Das Orchester unter der Leitung von Daniel Montané kämpft phasenweise hörbar mit den Anforderungen der Partitur, wie auch die meisten Sänger mit dem englischen Idiom. Unterm Strich dennoch ein lohnenswerter Abend, da gezeigt wird, was ein kleines Theater alles zu schaffen in der Lage ist. Der “Turandot” und sogar dem “Lohengrin” nächste Spielzeit kann man guten Mutes entgegensehen.

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