La Traviata / Baden-Baden (25.5.2015)

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  • May 25, 2015
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Foto: Andrea Kremper

Sänger, die Regie führen, wollen häufig alles anders machen. Oder alles besser. Rolando Villazon, mit dessen Konterfei das Festspielhaus warb (wann gab es das zuletzt, dass ein Opernhaus mit dem Regisseur wirbt ?), hat sich nicht mit einem zufrieden gegeben, sondern beides in Angriff genommen und dabei einen großen Opernabend produziert. Angefangen von den kreativen Kostüme (Thibault Vancraenenbroek) über die Bühne, eine bonbonfarbene Zirkusmanege (Johannes Leiacker) bis hin zur intensiven Personenregie – Villazon geht nicht auf Nummer Sicher, sondern riskiert etwas. Meint man anfangs noch, er recycle seinen Clownroman, merkt man, dass dieses Setting einiges zum Verständnis des Stückes beiträgt. Der bei Verdi mitschwingende Vorwurf der Humtata-Musik – hier trifft er ins Schwarze, ohne dass dabei Verdis schöpferische Kraft negiert würde. Das kammerspielartige zweite und vierte Bild sind genau beobachtet, die Ensembleszenen wirken packend – vor allem dann im dritten Bild, eine perfekt choreographierte Horrormischung aus “Eyes wide shut” und der Wolfsschluchtszene des “Freischützes”. Auch bei einer anderen Oper bedient sich Villazon – der kalkweiß geschminkte Giorgio Germont erinnert unweigerlich an den Komtur aus “Don Giovanni”. Simone Piazzola singt ihn mit tadellosem Legato und sahnt fasst noch mehr beim Publikum ab als Olga Peretyatko. Deren Stimme ist, seitdem ich sie das letzte Mal hörte (Adina), größer geworden und kann auch in den dramatischeren Augenblicken genügend Kraftreserven mobilisieren. Die Koloraturen gelingen ihr ja erwartungsgemäß sowieso. Und darstellerisch ist die junge Russin eh’ eine Wucht. Wäre das Haus voller gewesen, wenn Villazon selbst den Alfredo gesungen hätte und nicht Atalla Ayan ? Möglich, aber sängerisch hätte Villazon dem Stuttgarter Ensemblemitglied nicht das Wasser reichen können. Ein leicht dunkler Tenor mit beeindruckender Kraft und Höhe – da kündigt sich bereits ein Maskenball-Ricardo an. Ein wenig mehr Luft zum Atmen hätte ihm gut getan, aber das ist auch das Einzige, was man an Pablo Heras-Casados feinfühligem Dirigat (Orchester: Balthasar-Neumann-Ensemble) bemängeln könnte.

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