Euryanthe / Frankfurt (25.4.2015)

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  • April 27, 2015

Ich liebe Euyranthe. Ja, ich weiß, welche Einwände jetzt gleich kommen. Saublödes Libretto. Schwache Dramaturgie. Ich weiß. Mir egal. Diese Mischung aus deutschem Klang und italienischem Belcanto ist in meinen Ohren unwiderstehlich. Als Regisseur heißt es da “Augen zu und durch”, als Zuschauer Ohren auf und Verstand aus. Johannes Erath lässt die Handlung auf einem riesigen Schachbrett spielen, auf dem sich eine Bar, Grabsteine und wasweißichallesnoch befindet. Für diese Oper reicht das. Roland Kluttig findet genau die richtige Balance, die Hörner machen Lust auf die Jagd. Sängerisch blaß blieb der König (Kihwan Sim), Eric Cutler als Adolar bringt trotz vernehmbarer Indisposition eine hervorragende Leistung – da möchte man in fünf Jahren zu gerne einen Lohengrin von ihm hören.   Von James Rutherford als Bösewicht Lysiart war ich hingegen enttäuscht – sein Bayreuther Sachs vor fünf (?) Jahren war noch vielversprechend …. und jetzt dieser knödelige, gepresste Klang. Seinen Holländer in Frankfurt in der nächsten Spielzeit muss ich mir da nicht geben. Bei den beiden Damen habe ich mich mehrfach gefragt, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, sie die jeweils andere Rolle singen zu lassen. Erika Sunnegardh in der Titelrolle hat eine stählerne, fast zu große  Stimme – und man merkt, wie es sie am Anfang Mühen kostet, sie künstlich zu verkleinern. Die schnelleren Passagen sind zudem verwaschen. Heidi Melton passt optisch zu ihrer Rolle, aber die häufig hohen Schlusstöne in ihrer Arie verenden zu oft in spitzen Schreien. Egal. Endlich mal wieder Weber jenseits des Freischützes.

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