Götterdämmerung / München (2.4.2015)

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  • April 3, 2015

Zu Beginn des zweiten Aktes wagte ein Einzelner das Sakrileg – und buhte als der GMD den Orchestergrabens betrat. Lag es daran, dass Petrenko bisher zu laut dirigiert hatte ? In jedem Fall konnte sich kaum jener Orchesterzauber einstellen, den man noch vor anderthalb Jahren in Bayreuth genießen und auch bestaunen konnte. Die Tempi waren erneut zügig, aber raffiniert klingt dann doch anders. Und Dirigent des Jahres ebenso.
Auch szenisch scheint der Regie die Luft ausgegangen zu sein. Man muss die vorherigen Ringteile nicht goutieren, um Kriegenburg ein gewisses Maß an Kreativität zuzubilligen, aber hier herrscht mittlerweile schon eine gewisse Leere vor. Und die können die Sänger nur bedingt füllen.
Am ehesten noch Stephen Gould. Ich kenne keinen Heldentenor, bei dem dieser baritonale Klang so authentisch, so wenig artifiziell klingt. Trotz Leibesfülle wirft er sich in die Rolle und überzeugt fast uneingeschränkt – die beiden hohen Cs umschifft er, allerdings gekonnt und kaum vernehmbar. Ebenfalls beeindruckend der Hagen von Hans-Peter König. König ist weiß Gott kein besonders begnadeter Darsteller, aber in dieser behäbigen Gemütlichkeit liegt etwas ungemein Bedrohliches. Eher ein (Pegida-)Biedermeier als ein Brandstifter. Das war es aber auch an den wirklich guten Leistungen. Waltraute, die Gibichungen, Nornen und Rheintöchter verdienen keine besondere Erwähnung.

Was bzw. wer mir den Abend aber verleidete, war die Brünnhilde von Petra Lang. Frau Lang hatte die letzte Aufführung wegen Krankheit noch aussetzen müssen – aber da sie nicht angesagt wurde, muss ich davon ausgehen, dass dies ihr aktuell-passablen Stimmzustand darstellt. Und der ist grenzwertig. Grenzwertig, weil ihr die Höhe vielleicht nicht fehlt, aber arg ausdünnt. Als ehemaliger Mezzo ist dies zumindest nachvollziehbar – nicht jedoch, dass die Tiefe sehr vulgär in Angriff genommen wird. In der Mittellage dominiert dann eine jaulende Tongebung und – vor allem zu Beginn einer Phrase – eine etwas schiefe Intonation. Darstellerisch fällt bei Lang das unangenehme Grimassieren auf – Gwyneth Jones meets Gabi Schnaut.

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