Parsifal / Karlsruhe (29.3.2015)

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  • March 29, 2015

Das Problem bei dieser Inszenierung ist – das sei vorweg gesagt – die Regie von Keith Warner: sie verweigert sich irgendeiner Deutung. Und flüchtet daher in einen blinden Aktionismus – die Bühne dreht sich und dreht sich. Unentwegt.

Der Regisseur sagt im Programmheft lauter interessante Sachen, die Allgemeinplätze sind. Und von all den Dingen sieht man auf der Bühne herzlich wenig – angefangen beim angeblichen “schwarz-weiß”. Der Matroschka-Gral war grenzwertig und der Schwanflügel erzeugte durchaus Heiterkeit in meinem Sitzumfeld. Mitleid – ein Kernaspekt dieses Werkes – wird hier völlig ausgeblendet. Hauptsache ein “schöner” Schwanflügel. Optik sticht Sinnhaftigkeit. Alle drei Akte beginne dabei durchaus interessant und besitzen narrative Dichte – der zweite beginnt sogar packend. Aber innerhalb einer Viertelstunde geht der Regie regelmäßig die Puste aus und die Bühnenmaschinerie kommt zum Einsatz. Ich habe noch nie – und dies ist meine dreizehnte “Parsifal”-Produktion – eine derart statische Liebesszene im zweiten Akt gesehen. Aus psychatrischer Sicht könnte man fast Autismus beim Regisseur ferndiagnostizieren.

Das Dirigat von Justin Brown empfand ich wie immer gelungen – aber selbst eine meine Lieblingsstellen (Ende zweiter Akt), die mich eigentlich immer irgendwie anrührt, ließ mich gestern absolut kühl. Woran es genau liegt, vermag ich nicht zu sagen.

Sängerisch war diese Premiere ebenfalls grenzwertig. Renatus Meszar ist ein guter Bass mit einer passablen Höhe – was er schon mehrfach unter Beweis gestellt hat. Aber der Amfortas ist eine Baritonpartie und das rollendeckend Quälende im Gesang – es wurde hier auf Kosten eines Sängers erzielt. Nicht durch dessen Gestaltungskraft.

Alfred Reiter ist ebenfalls – ich traue es mich eigentlich nicht zu sagen – fehlbesetzt. Er kann den Text schön plastisch formen, gewiss, aber ein Gurnemanz ist letztlich kein Sarastro. Es gibt mehrere stellen, da muss ein Gurnemanz richtig “aufmachen” (Bestes Beispiel: “Entnimm nun seinem Haupt” im dritten Akt.) Ich habe noch nie, wirklich nie einen Sänger erlebt, der derart Schiffbruch an dieser Stelle erlitten hat. Selbst an eher harmloseren Stellen stößt Reiter an seine Grenzen.

Christina Niessen ist ein tolles, verdientes Ensemblemitglied. Auch sie spielt engagiert, sofern sie die Regie lässt. Aber auch hier ist am Ende mehr heiße Luft als Stimmsubstanz zu vernehmen. Ich kann nur hoffen, dass man sie nicht im “Tristan” verheizen wird, wie das ja auch in Stuttgart mit Christiane Iven passiert ist.

Und der Gast (Erik Nelson Werner) in der Titelpartie ? Wirklich schönes Material – aber auch hier: eben nur in der baritonalen Komfortzone. Alles jenseits des Passagios ist mehr als einmal wackelig. Besonders beweglich im Spiel erschien er mir auch nicht, eher unbeteiligt. Ein Siegmund kann ich mir da gut vorstellen – zu einem Siegfried fehlt da aber viel.

Abschließend möchte ich dem Badischen Staatstheater für diese Produktion danken. Eine meiner Lieblingsopern in zehn Minuten Laufentfernung von der Wohnung entfernt – das wäre auf Dauer arg teuer geworden. Da habe ich richtig viel Geld gespart. Danke, Herr Warner !

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