Tristan und Isolde / Strasbourg (21.3.2015)

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  • March 23, 2015

Der samstägliche Tristan in Strasbourg erbrachte für mich gleich dreieinhalb Überraschungen:

Die erste: Man kann auch als eher lyrischer Sopran die Isolde singen, ohne Schiffbruch zu erleiden (s. Christiane Iven in Stuttgart). Melanie Diener, von der man in den letzten Jahren immer weniger hörte, hat sich mittlerweile der Isolde angenommen und macht dies sehr ordentlich. In der Mittellage klingt manche Phrase wie von Waltraud Meier, in ihren guten Tagen, gesungen. Die Höhen werden nie herausgeschleudert, aber sie sind da. Das macht aus dieser Isolde eine eher ungewöhnliche, weil passive, Protagonistin. Trotzdem oder vielleicht genau deshalb: gerne wieder.

Die zweite: Attila Jun, der mir in den letzten Jahren nur noch auf die Nerven ging und der als Hagen den geballten Zorn des Bayreuther Publikums 2013 empfangen durfte, hat an seinen Unarten gearbeitet und überwiegend abgestellt: Zwar ist der koreanische Bass immer noch tendenziell lieber laut als leise, aber das Nasal-Stumpfe, mit dem er zahlreiche Wagnerpartien im wahrsten Sinne des Wortes exekutiert hat, war nicht zu vernehmen. Auch das wilde Grimassieren war einer tatsächlich vorhandenen Textbehandlung gewichen. Der Mann kann, wenn er will.

Die dritte: wieviel Potential in dieser Rolle der Brangäne eigentlich steckt, das hat mir gestern Michelle Breedt deutlich gemacht. Stimmlich sowieso eine sichere Bank ist sie zu keinem Zeitpunkt die übliche Stichwortgeberin. Die Regie (Antony McDonald) hat gerade ihr viel Möglichkeiten zur Profilierung gegeben und Breedt nutzt sie.

Die halbe Überraschung: Ian Storey. Die verquollene Tongebung und die penetrante Weigerung, ein “ch” wie ein “ch” und eben nicht “sch” auszusprechen, könnten nerven. Nur tun sie das erstaunlicherweise nicht. Storey weiß, was er da singt und er hat sich die Rolle wirklich zu eigen gemacht. Kein Vergleich zu den momentan Besten, aber gegen einen Ryan würde ich ihn sofort tauschen.

Dass sich das Theater im Lauf der Vorstellung zunehmend leerte, kann ich mir nur damit erklären, dass der Aufführungbeginn um 18:30h für einen “Tristan” doch arg spät gewählt war.

 

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