Berenike / Stuttgart (15.2.2015)

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  • February 16, 2015

Nachdem das Theater Heidelberg mit “Fetonte” noch rechtzeitig im Jubiläumsjahr vorgeprescht war, zog das Staatstheater Stuttgart nun mit Niccolò Jommelli “Berenike” nach. Ein spannender Komponist, von dem man generell gerne mehr hören würde. Vom musikalischen Material her hat mich “Fetonte” mehr angesprochen, aber das will nichts besagen – ich habe einfach ein Faible für halsbrecherische Koloraturarien mit Blech. Davon gab es gestern weniger zu hören, aber es hatte trotz der Verortung in der “Frühklassik” nichts von dem manchmal blutleeren Klang, wie ich zum Beispiel einen Gluck häufig erlebe. Was den Genuss des Abends (und die Konzentration erst recht) etwas schmälert, ist die Pausenkonzeption. Eine einzige Pause bei drei Stunden reinen Spielzeit, und die erst nach 1:45h, das ist der Bogen doch ein wenig überdehnt. Vielleicht blieben auch deshalb ein paar wenige Plätze nach der Pause frei….?


An der musikalischen Qualität lag es gewiss nicht. Das Orchester (Leitung: Gabriele Ferro) ist gut ins Bühnengeschehen integriert und spielt mit viel Gefühl, spart nicht an solistischen Qualitäten. Sebastian Kohlhepp, einst im Karlsruher Ensemble, kehrt aus Wien zurück und singt den Lucio Vero. Bemerkenswert, wie Agilita und Kraft bei ihn zusammengehen. Sein Liebesobjekt, die Titelrolle, wird ebenfalls ansprechend von Ana Durlovski gesungen. Beim Publikum konnte das langjährige Ensemblemitglied Helene Schneidermann als Lucilla punkten. Bezaubernd, wie sie am Anfang die treudoof-naive Kaisertochter spielte und sang. Sophie Marilley als Vologeso und Catriona Smith ergänzten das Ensemble ausgezeichnet und konnten ihren Rollen ausreichend Profil geben. Einziger Countertenor (Altus) war Igor Durlovski – der seine beiseite-Verse im Bass sang und beim Publikum Erheiterung hervorrief.

Ob es am Libretto, der Partitur oder der Gestaltung der einzelnen Sänger lag, vermag ich nicht zu sagen – aber ich habe schon lange keine so individuell gezeichneten Charaktere in einer “Barock”-Oper erlebt. (Diese Klassifizierung passt bei der neapolitanischen Schule laut informativen Einführungsvortrags eh nicht.) Da stimmte einfach alles und Regisseur und Hausherren Jossi Wieler und Sergio Morabito hatten daran bestimmt einen nicht zu unterschätzenden Anteil. Woher rührten also die doch unüberhörbaren Buh-Rufe beim Schlussapplaus ? Am Bühnenbild von Anna Viebrock wohl nicht – es ist herrlich “vordergründig” – der Vordergrund ist antik, der Hintergrund erschreckend aktuell (Bürgerkriegsschäden an Wohnhäusern).

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