Die tote Stadt / Freiburg (8.2.2015)

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  • February 8, 2015

Nach der “Orontea” am Freitag wusste ich, das diese “Tote Stadt” nur besser werden konnte. Und das war sie auch – unabhängig vom Freitag.
Die Regie (Florentine Klepper) hat im ersten und zweiten Bild schöne Momente, warum sich Paul im dritten Akt in den Teppich einwickelt, habe ich nicht so ganz verstanden. Aber das Morbide, dieses Psychopathologische wurde gut herausgearbeitet.
Das Dirigat von Johannes Knapp war zwiespältig: einerseits erzeugt das Orchester unter seinen Leitung einen bombastischen Hollywood-Sound, andererseits hat die Betonung des Symphonischen und das extreme Auskosten mancher Phrasen zu einer phasenweisen Überdehnung geführt, welche die Sänger der beiden Hauptpartien mehr als einmal in die Bredouille geführt. Da hätte man doch etwas mehr kapellmeisterliche Umsicht erwarten können.Sängerisch braucht sich Freiburg auch vor größeren Häusern nicht zu verstecken – Alejandro Lárraga Schleske stellt als Frank/Fritz erneut einen kernigen Bariton zur Schau, den man sich in ein paar Jahren auch als Rheingold-Wotan vorstellen könnte. Zu Sigrun Schells Marie(tta) – seit 17 Jahren Ensemblemitglied, anfangs als Mezzo – passte der kurze Dialog mit Paul ganz gut:

PAUL (überrascht) Wie, Sie singen?
MARIETTA Erträglich, sagt man, wenn’s auch mein Fach nicht ist

Das “Glück, das mir verblieb” war relativ schrill, unausgeglichen. Das fing sich im Lauf des Nachmittages und im dritten Akt zeigt Schell, welch fulminante Sängerdarstellerin sie immer noch ist. Gleichwohl, die ganzen Kundrys, Salomes, Brünnhilden und Ortruds – man hört sie zu deutlich. Schade, dass sie die Rolle nicht vor fünf Jahren in Angriff nehmen konnte, das wäre sicher deutlich besser geworden.
Als Gast für die Mörderpartie des Pauls konnte man den mir bis dahin völlig unbekannten Michael Bedjai verpflichten. Zwar haderte auch er anfangs mit den langen Tempi, aber man konnte einen bemerkenswert kraftvollen, höhensicheren Heldentenor ohne künstlich abgedunkelter Tiefe hören. (Da musste man bei Burkhard Fritz in Frankfurt mehr bangen, wenn ich es recht in Erinnerung habe.) Interessant, dass Paul hier weniger als Leidender, sondern als gewaltbereiter Irrer gezeigt wird.

Die Fahrt nach Freiburg, sie reut erneut nicht.

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