Jenufa / Stuttgart (1.2.2015)

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  • February 2, 2015

Schon nach ihrer letztjährigen “Alceste” (in Madrid) war ich etwas irritiert ob der aktuellen Rollendebüts meiner Lieblingssängerin. Bevor sie im Mai dieses Jahr die Judit (in Montpellier) singen wird, stand gestern ein stückinterner Rollenwechsel an – von Jenufa zur Küsterin. Die Rede ist von Angela Denoke, die in Interviews (zu Recht) darauf hinwies, dass die Küsterin gar nicht so viel älter als Jenufa sein muss. Das mag sein, aber natürlich hat die sängerische Rezeption ihre Spuren hinterlassen – und Denokes, im Kern immer noch lyrischer Sopran, passt eben so gar nicht zu dem bisherigen Höreindruck, den man von dieser Rolle hatte. Sie spielt diese Rolle grandios – und anders. Sowieso ganz anders als ihre Vorgängerin Leandra Overmann in dieser (wohl aktualisierten) Inszenierung, die David Alden begann und Calixto Bieto zu Ende führte. Overmann war durch und durch “Hexe”, Denoke die taffe Businessfrau, die in ihrer Stieftochter ihr eigenes Schicksal erneut durchlebt und den Zyklus trinkender Männer und leidender Frauen durchbrechen will – und sei es durch den Mord an dem kleinen Steva, den man hier auf offener Bühne zeigt. Stimmlich ist sie tatsächlich eher große Schwester der Jenufa (sehr ansprechend: Rebecca von Lipinski) als die Schwiegertochter der alten Buryja (Renate Behle). (Nebenbei – in diesem osteuropäischen Schicksen-Look der Jenufa hätte Denoke in dieser Inszenierung wahrhaft lächerlich ausgesehen.) Gergely nemeti brauch als Steva eine Weile, um Profil zu entwickeln, spätestens im zweiten Akt ist er dann aber sehr präsent. Die eigentlich beste Leistung des Abends kam vom Laca des Pavel Cernoch – roh, unkontrolliert, mit scharfem Tenor. Allerdings sollte sich die Regie etwas neues für ihn einfallen lassen – dieses ständige Kappe-aufsetzen war bei Frank van Akens Platte passend, hier auf Dauer irritierend.
Auch wenn es eigentlich keiner Erwähnung bedarf – der Stuttgarter Chor ist wieder mal so richtig klasse. Und Sylvain Cambreling dirigiert im ersten Akt (aber das könnte an meinem Platz gelegen haben) etwas zu laut, ruderte wie ein Verrückter bei dem Chorlied. Im zweiten und dritten Akt war die richtige Balance (oder Sitzplatz ?) gefunden. Als besonders feinfühlig habe ich das Dirigat weiterhin nicht empfunden, aber als packend.

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