Verlobung im Traum / Karlsruhe (6.1.2015)

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  • January 6, 2015

Karlsruhe gelang es in den letzten Jahren mit der Reihe “politische Oper” auch überregional zu punkten – zuletzt mit der deutschen Erstaufführung von Weinbergs grandioser “Passagierin”. Dieser Reihe verdanke ich überhaupt meine besten Karlsruher Opernerlebnisse wie z.B. Tüürs “Wallenberg” Adams’ “Doctor Atomic” und insbesondere “Dantons Tod” – für mich überhaupt DIE Oper nach 1945.Insofern fällt die diesjährige politische Oper ein wenig aus dem bisherigen Rahmen. Sicher, der Komponist (Hans Krasa) wurde von den Nationalsozialisten ermordet, aber einem genuin politischen Thema nimmt sich dieses Musiktheaterwerk mit surrealer Handlung nicht an. Dennoch – der Abend ist gelungen und macht, platt gesagt, Spaß. Dazu trägt in erster Linie die – wie schon gesagt – surreale Handlung bei, die ein wenig etwa von “Il viaggio a Reims” hat, aber auch andere Opern zitiert – dramaturgisch wie die Briefszene aus “Eugen Onegin”, nur dass hier der Tenor den Brief an den Sopran abfängt und musikalisch. Besonders amüsant war die Adaption der “casta diva”. Auch sonst klingt vieles nach “Rake’s progress” und jazzigem Schostakowitsch. Der Paralandoton dominiert. GMD Brown und die badische Staatskapelle spielen unglaublich präzise und schmissig. Die Regie (Ingo Kerkhof) erzählt die Geschichte auf humorvolle, aber nie anbiedernde Weise nach.
Neuzugang Agnieszka Tomaszewska singt eine bezaubernde Sina, Martina Borst ihre Mutter, welche die Tochter auf Teufel komm raus unter die Haube bringen will. Der vorgesehene Bräutigam – ein seniler Fürst – wird von Jaco Venter mit kernigem Bariton dargeboten. Christian Voigts Tenor klingt überraschend dünn, aber sehr textverständlich. Und Armin Kolarczyk singt und spricht den Stadtarchivar auf bemerkenswerte Weise.

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