Tristan und Isolde / Stuttgart (14.12.2015)

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  • December 14, 2014

Sehr geehrter Herr Morabito,
sehr geehrter Herr Wieler,

wie ist das denn so ? Ich meine, wie ist das denn so bei der Generalprobe, wenn Sie als Hausherren inszenieren ? Wer nimmt die denn da ab ? Der Hausmeister ? Das würde mich ehrlich gesagt schon interessieren weil ich mir partout nicht vorstellen kann, dass überhaupt irgendwer diesen Schmarrn jemals hat durchgehen lassen. Denn irgendjemandem, irgendeiner Sau wäre doch aufgefallen, dass diese albernen mongolisch-afghanischen Kostüme vollkommen absurd sind. Und dass es auf diesem naturalistischen Kahn viel zu eng zum Spielen ist. Ich bin mir sicher, dass Sie und Ihr Genosse irgendeinen klugen Beitrag dazu fürs Programmheft ersonnen und mit etwas Adorno garniert haben, aber es war trotzdem Käse.
Aber wenigstem dem GMD muss doch aufgefallen sein, dass das Besetzungsbüro sich einen Jux machen will. Okay, der Kurwenal hatte Schneid. Zugegeben. Aber eine Brangäne, die wild mit den Armen rudert als sei sie beim Trockenschwimmen und einem völlig ausdruckslosem Timbre sowie ein greller Tristan, das kann doch nicht ihr Ernst sein. Ich weiß – nach Stuttgart fährt man nicht wegen der Sänger. So hieß es lange. Aber dass man um Stuttgart einen Bogen machen muss, das war mir neu.
Jetzt werden Sie vielleicht sagen – jahaha, aber der zweite und dritte Akt, die waren doch toll, oder ? Tja, und da haben Sie mich erwischt. Ich habe nämlich bereits nach dem ersten Akt die Segel gestrichen. Und zwar in erster Linie aus Mitleid mit Frau Iven, die Sie als Isolde auf die Bühne gelassen haben. Falls Sie Frau Iven zu Beginn des zweiten Aktes angesagt haben sollten, bitte ich um Verzeihung, aber wir wissen beide – das haben Sie nicht. Frau Iven kann zwar einige Stellen schön lyrisch gestalten, aber mehr auch nicht. Jedes Mal, jedes gottverdammte Mal wenn sie mit der Stimme aufmachen muss, rutscht die Stimme aus dem Fokus. Und braucht zu allem Überfluss auch noch zwei weitere Töne danach, bis sie wieder in der Spur ist. Da kann die Frau noch so engagiert und eigentlich überdreht spielen. Um mir die Qual zweier weiterer Akte und ihr ein Buhgewitter aus meinem Mund zu ersparen, hab ich’s eben sein lassen. Vielleicht hab ich ja einen tollen Marke und einen tollen Melot verpasst. Kann sein – aber selbst wenn Domingo beide Partien gesungen hätte, es hätte ein Bleiben nicht gelohnt. Aber ich bin jetzt lieber still, sonst bringe ich Sie noch auf Gedanken….

Mit verständnislosen Grüßen,
Florian Kaspar

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