Friedenstag / Kaiserslautern (6.12.2014)

  • 0
  • December 7, 2014

“Was ist das, Friede ?”
Angesichts der weltpolitischen Umstände hatte das Pfalztheater mit der Wahl von “Friedenstag” eine weit politischere, umsichtigere Wahl für das Strauss-Jahr getroffen als die meisten anderen Häuser. Eigentlich keine Überraschung – Kaiserslautern war diesbezüglich schon immer eine “Goldgräberstadt”. Nein, die eigentliche Überraschung für mich war das Werk selber. Kein mythologischer Strauss, kein antikisierender Strauss, sondern ein Strauss, der – auf seine Weise – klar Stellung bezieht. Den “Fidelio” hört man regelmäßig raus, insbesondere als am Schluss der Holsteiner (Wieland Satter) den Frieden verkündet (der Minister lässt grüßen) und das Ganze in einem Stahlgewitter in C-Dur endet. Bereits in der Mitte des Einakters bietet Strauss jedoch eine herrliche Auftrittsarie für Marie, die sich in ein fulminantes Duett mit ihrem Mann, dem treu-bis-in-den-Tod-Kommandanten der Festung steigert und götterdämmerungsähnliches Pathos (im positiven Sinne) heraufbeschwört. Warum diese Szene nicht häufiger auf Solo-CDs zu finden ist – es ist mir ein Rätsel.


Sängerisch muss man in Kaiserslautern immer Abstriche machen, so auch gestern. Dies gilt ausdrücklich nicht für den bestens präparierten Chor. Auch für die kleineren Partien wurden Gäste aufgeboten, hier stach Carsten Süß als Bürgermeister hervor. Karsten Mewes brauchte eine Weile um vom Bell- in den Singmodus umzuschalten, wirkte aber vielleicht auch deshalb so authentisch. Ein eindrucksvolles Porträt des Mannheimer Singschauspielers. Problematischer hingegen die Marie von Maria Lobanova. Die Litauerin bewältigt die deutsche Sprache annehmbar und ihre Mittellage ist imposant. Leider fehlt ihr die Höhe und das nötige “Silber” in der Stimme für eine dieser typischen Strauss-Partien a la Chrysothemis oder Kaiserin.

Kerstin Maria Pöhler zeigt die Verrohung der Soldaten und das Leid der Zivilbevölkerung eindrücklich. Sie vertraut allerdings dem (Jubel-)Ende nicht – vielleicht zurecht. Und lässt direkt im Anschluss die “Metamorphosen” spielen. Eine dramaturgisch interessante, da antiklimaktische Entscheidung, die szenisch jedoch nicht aufgeht. Zwanzig Minuten lang Sänger die Friedensarmbinden abreißen lassen – das ist doch ein wenig zu wenig. Schade. Was den Abend aber zusammenhält, ist das Dirigat von Uwe Sandner – besonders bemerkenswert, wie reibungslos der Umschwung von Orchesterfeuerwerk zum nachdenklichen Streicherwerk gelang.

Wer die Chance dazu hat, sollte sich dieses Werk nicht entgehen lassen.

Share Button
(Visited 37 times, 1 visits today)