Frau ohne Schatten / Zürich (30.11.2015)

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  • December 1, 2014

Die Zuschauer im nahezu ausverkauften Opernhaus bekamen gestern eine gute Frosch zu hören. Leider waren die Eindrücke der Frankfurter Produktion so nachhaltig, dass ich der Regie von David Pountney im ziemlich bunten Bühnenbild nicht sonderlich viel abgewinnen konnte. Gleiches gilt für das Dirigat des für Fabio Luisi eingesprungenen Peter Tilling. Alles solide und souverän. Aber so einen richtigen “Orchesterflash” hatte ich nicht.
Die Amme war mit Birigit Remmert “klassisch” besetzt, also eine bereits überreifer Mezzo mit ausgefranster Höhe und erstaunlich schwacher Tiefe. Gleichwohl warf sie sich mit Verve in ihre Rolle und konnte so mach vokales Defizit ausgleichen. Roberto Sacca hatte gleich in der ersten Szene einen bösen Texthänger (statt “es ist anstatt ihrer” sang er in etwa “es ist für meine Gattin”), fing sich aber schnell. Auch hier: kein außergewöhnlicher Stimmklang, aber eine sichere Höhe (das ist bei der Rolle ja viel wert) und Mut zum Piano, insbesondere in der Falknerhausszene im zweiten Akt. Die Verzweiflung des Kaisers habe ich noch nie so eindrücklich gesehen (gehört schon). Emily Magee ist der Rolle der Kaiserin eigentlich entwachsen, das klang im ersten Akt nicht sonderlich taufrisch und auch die Koloraturen hatten eher approximativen Charakter. Im Laufe des Abends wurde sie jedoch immer besser, servierte beeindruckende “Hochtöne” und ein inniges “Vater, bist du’s ?”. In einem größeren Haus käme sie in dieser Rolle besser an. Gleiches gilt auch für Evelyn Herlitzius als Färberin. Meine Güte, welche Bühnenpräsenz, was für eine Durchschlagskraft, was für eine darstellerische Intensität aber eben auch mein Gott, welch schneidende Stimme, vor allem und ausgerechnet zu Beginn des dritten Aktes. Das klang phasenweise mehr nach einer Elektra. Und das gelegentlich vernehmende Anschneiden der Töne von unten her – da könnte Gwyneth Jones Patin gestanden haben. Auch Thomas Mayer wirkte dann eher und wann wie ein verirrter Wotan, hatte aber die richtige Mischung aus Balsam und Grobschlächtigkeit in der Stimme, welche die Rolle ja auch fordert.

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